Medien : Das zweite Leben

Es muss nicht immer ein neuer Computer sein. Eine Reparatur ist oftmals die sinnvollere Alternative

Markus Ehrenberg,Kurt Sagatz

Die Industrie hört es nicht gerne, aber trotz aller Gier nach immer mehr Leistung reichen vielen Menschen ihre alten Computer vollkommen aus. Wer keine 3D-Computerspiele mag und seinen PC oder Laptop vor allem für Word, E-Mail und Internet einsetzt, kann selbst mit einem Pentium-100-Rechner durchaus zufrieden sein – zumindest solange das Gerät funktioniert. Denn genauso schnell, wie die Megahertz-Raten neuer Computer steigen, so schnell veralten die Bauteile gebrauchter Computer, und Ersatz für defekte Komponenten zu finden, wird zum Problem.

Immerhin, bei vielen Schreibtisch- Computern lassen sich diese Probleme einfach lösen. In vielen Werkstätten findet sich nach längerem Suchen doch noch die gesuchte VLB-Grafikkarte. Wer nicht gleich beim ersten Händler aufgibt, erhält auch noch eine Hauptplatine, auf die die einst teuer erworbenen SDRAM- Speicherbausteine noch passen. Auch Computermessen wie die „Combär“ in Berlin, die allerdings erst wieder im September stattfindet, sind eine Fundgrube für gebrauchte Komponenten, die manch altem Computer zu einem zweiten Leben verhelfen. Das Risiko, ein kaputtes Bauteil zu kaufen, ist dort relativ gering, da man direkt vor Ort die Funktion vieler Standard-Komponenten testen kann.

Auf alte Desktop-Computer und deren Bauteile spezialisiert hat sich auch das „Technische Büro für Umweltschutz, Maschinen und Informatik“ in der Kurfürstenstraße in Berlin. Ein komplettes Pentium-133-System (ohne Monitor) kriegt man bei „Tusmi“ schon für 20 Euro. Aber auch, wer eine längst vergessen geglaubte SCSI-Adapterkarte sucht oder eine Oldtimer-Festplatte verkaufen will, ist bei „Tusmi“ richtig.

Weniger einfach sieht die Situation bei Laptops aus. Wer nicht zu den Glücklichen gehört, die ein Gerät von Toshiba oder IBM besitzen (die auch nach Jahren noch Ersatzteile vorhalten), hat schlechte Karten. Beispiel IPC Archtec: Das sechs Jahre alte IPC-StarNote läuft zwar immer noch wunderbar, bloß der Riss im Deckel wird immer größer. Ein Ersatzdeckel ist auch beim Hersteller nicht mehr zu erhalten, er müsste speziell angefertigt werden. Doch die Kosten liegen bei fast 200 Euro, mehr als der Restwert des Geräts. In solchen Fällen muss Sekundenkleber und schwarzes Faserband helfen.

Überhaupt Notebooks: Die mobile Freiheit endet oft früher als erwartet. Zum Beispiel, wenn die Tastatur kaputt geht oder nicht mehr hundertprozentig funktioniert. Wohin mit dem Gerät? Abholen–Lassen und Reparieren wird sehr teuer. Viele Hersteller wie Gericom bieten – per Extra-Hotline in Österreich – Ersatzteile an, die man sich schicken lassen kann. Die Telefonnummer muss bei der „normalen“ Hotline aber erst erfragt werden. Eine neue Tastatur für ein Gericom-Notebook kostet beispielsweise 105 Euro, ein neuer Akku 142 Euro.

Denn: Spätestens nach zwei bis drei Jahren macht der Akku vom Notebook schlapp. Statt mehrerer Stunden ohne Anschluss an die Steckdose gibt der Mobilrechner dann schon nach wenigen Minuten auf. Für Besitzer von Markengeräten bedeutet dies, dass sie sich von ihrem Händler einen passenden Austauschakku besorgen müssen. Das ist zwar ärgerlich, aber ansonsten unproblematisch. Bei vielen No-Name-Geräten, die nicht auf standardisierten Komponenten basieren, funktioniert dies jedoch häufig ebenso wenig wie bei älteren Notebooks, für die der Hersteller keinen Support mehr anbietet. Dann helfen nur noch Spezialfirmen wie „Akku Fit“.

Das Spandauer Unternehmen bietet einen ganz besonderen Service: Hier werden Altakkus für Notebooks oder Handys wieder zu neuem Leben erweckt. Denn egal, wie die unterschiedlichen Gehäuse aussehen, die darin befindlichen Zellen sind in den allermeisten Fällen genormt. Bei Akku Fit, das ab Juni den Namen Akku Point tragen wird, werden darum zuerst die Gehäuse aufgetrennt. „Darauf werden die Kunden aber grundsätzlich hingewiesen, denn nach dem Auftrennen sehen die Akkus natürlich nicht mehr wie neu aus“, sagt Geschäftsführer Stefan Hübner.

Nach dem Zerlegen werden die alten Zellen entfernt und entsorgt. Andere Komponenten gegen das Überladen und Überhitzen des Akkus sowie die Anschlüsse werden aufbewahrt und zusammen mit den neuen Zellen wieder in das Akku-Gehäuse eingebaut. Am Ende wird der Akku verklebt und kann nun wieder seinen Dienst im Mobilrechner verrichten.

Allerdings greift dieses Verfahren nur bei Akkus der Typen NiCd und NiMH, nicht bei Lithium-Ionen-Akkus. Teilweise ist es sogar möglich, beim Austausch Zellen mit einer höheren Kapazität einzusetzen. „Ein Akku, der sonst nur zwei Stunden läuft, kann so zweieinhalb Stunden Energie liefern“, so Hübner.

Wie hoch die Kosten für die Akku- Runderneuerung ausfallen, hängt von verschiedenen Faktoren wie Akku-Typ und Kapazität ab. Grundsätzlich sei jedoch der Zellenaustausch in der Regel selbst dann preiswerter, wenn es noch Original-Ersatzakkus gibt. Nach Angaben von Hübner gilt als Faustformel, dass der Austausch ein Drittel billiger ist als der Neukauf.

Die Firma Akku fit ist telefonisch zu erreichen unter: 386 33 030, Tusmi unter 264 84 990. Gericom bietet Ersatzteile unter 0043-732-766 491 49.

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