Datenschutz im Internet : Gute Kekse, böse Kekse

Mit den Cookies ist es wie in "With or without you" von U2: Aus Datenschutzgründen will man sie eigentlich nicht, aber ohne die Datenschnipsel, die Webseiten im Browser hinterlassen, ist das Surfen auch kein Vergnügen. Die Debatte um ein Cookie-Verbot kommt deshalb nicht in Schwung.

von
Für jeden etwas dabei, aber nicht alles nach dem Geschmack der Nutzer: "Cookies" sind eines der wichtigsten Instrumente der Internet-Werbewirtschaft.
Für jeden etwas dabei, aber nicht alles nach dem Geschmack der Nutzer: "Cookies" sind eines der wichtigsten Instrumente der...Foto: Fotolia

Sie suchten doch braune Wanderschuhe? Oder vielleicht einen passenden Rucksack? Eine praktische Regenjacke? Man könnte es das Zalando-Gefühl nennen. Kaum hat man in einem Online-Shop gestöbert, schon scheint das ganze Internet aus persönlichen Werbebannern zu bestehen. Und zufällig zeigen sie immer genau die Produkte, für die man sich kurz vorher interessiert hatte.

Re-Targeting heißt das im Fachjargon der Werbebranche, gemeint ist, dass dem potentiellen Kunden immer wieder das vermeintliche Objekt seiner Begierde unter die Nase gehalten wird. Das funktioniert, indem Shops und Suchmaschinen Cookies im Browser des Nutzers hinterlassen, also kleine Datenkrümel, anhand derer der Kunde später wiedererkannt werden kann. Dass die Werbewirtschaft mit diesen Krümeln nicht knauserig ist, zeigen Programme wie Ghostery.com, die jeden Cookie-Annäherungsversuch für den Nutzer sichtbar machen. Das Ergebnis ist beeindruckend: Schon nach einer Stunde normalem Alltags-Surfen – ein paar Newsseiten, verschiedene Buchhändler, Suchmaschinen, Shops, Blogs – hätte sich der Browser dutzende neuer Cookies eingefangen, wenn Ghostery sie nicht geblockt hätte. Etliche davon gehören zu Facebook und Google, andere zu Marketingfirmen wie Webtrekk oder Nugg Ad.

Die Forderungen in Amerika und Deutschland gehen unterschiedlich weit

„Für die Nutzer ist es fast unmöglich“, sagt Dan Auerbach von der Electronic Frontier Foundation (EFF), „überhaupt noch zu durchschauen, welche Cookies wofür benötigt werden.“ Zwar lassen sich die permanenten Cookies im Browser mit wenigen Klicks löschen, aber was genau sie wem bereits mitgeteilt haben oder welche Super-Cookies im Hintergrund trotzdem weiter die Wege des Nutzers durchs Netz protokollieren, bleibt völlig undurchsichtig. Der EFF fordert deshalb, dass Browser die Privatsphäre besser schützen sollten, zum Beispiel durch den „Do Not Track“-Modus, der Webseiten mittteilt, dass der Nutzer nicht verfolgt werden möchte.

Den deutschen Datenschützern geht das nicht weit genug. Ihnen sind alle Cookies, die nicht lediglich dem reibungslosen Funktionieren einer Website dienen, ein Dorn im Auge. Die Unternehmen hätten sich längst angewöhnt, die Nutzer mit ausgefeilten Methoden systematisch auszuspionieren. „Das Ergebnis sind Nutzerprofile, die zur gezielten Ansprache dienen oder lukrativ an Dritte verkauft werden“, stellte der Verbraucherzentrale Bundesverband kürzlich noch einmal klar. Der Verband drängt deshalb darauf, dass die seit 2009 bestehende Datenschutzrichtlinie der Europäischen Union endlich in Deutschland umgesetzt wird. Dass die Bundesregierung das mit Hinweis auf den strengen deutschen Datenschutz bislang ablehnt, empfindet die Verbandsreferentin Michaela Zinke nicht als hinreichendes Argument: „Die EU Richtlinie sagt ganz klar, dass es eine Einwilligung geben muss, bevor ein Cookie zur Profilbildung gesetzt werden darf.“

13 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben