Medien : „Davon kriege ich Pickel!“

Ralf König hat den „Bewegten Mann“ kreiert und sieht jetzt „Bewegte Männer“ bei Sat 1

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„Bewegte Männer“ : Ende April hat Sat 1 diese Sitcom gestartet, die Freud und Leid der schwulen Szene zeigen soll. Die erste Staffel mit 13 Folgen wurde im ehemaligen GlücksradStudio in Berlin gedreht und von Oliver Berben und Hermann Weigel produziert. „Bewegte Männer" kontra „7 Tage, 7 Köpfe": Jeden Freitag treten Ledermänner, Tunten und verklemmte Existenzen um 22 Uhr 15 gegen die Witzbolde auf RTL an. Die Sitcom erzählt, wie schon der Comic von Ralf König, davon, dass Frauenschwarm Axel (Michael Härle) in die Wohngemeinschaft des schwulen Nobert (Oliver Muth) einzieht – und von den Problemen, die im täglichen Zusammenleben entstehen.

Mit dem erfolgreichen Kinofilm von 1994 nach der Comic-Vorlage von Ralf König hat die Serie allerdings nichts gemein. Die Constantin Film AG hat dem Zeichner lediglich die Rechte an den Namen der Protagonisten abgekauft, alle Rollen in der Sitcom wurden aber mit anderen Schauspielern als im Kinofilm besetzt. Vom Ergebnis der Sat 1-Sitcom distanziert sich der 42-jährige Zeichner und Erfinder des „Bewegten Mannes" mit deutlichen Worten.

Herr König, Sie haben eine Folge der „Bewegten Männer" gesehen. Haben Sie sich amüsiert?

Nein, was ich gesehen habe, war ziemlich erbärmlich. In der ganzen Folge ging es darum, dass der Pudel der Mutter des schwulen Norbert überfahren wurde – und darum, dass Axel dachte, nicht der Hund, sondern Norbert sei tot. Die Idee wäre mir kaum zwei Sprechblasen wert gewesen. Zum Glück wurde mein Name nicht ein einziges Mal erwähnt.

In Deutschland ist es die erste Sitcom, die im schwulen Milieu spielt. Das müsste Ihnen doch gefallen.

Hier geht es doch gar nicht wirklich um Schwule. Da tucken halt so ein paar homosexuell inszenierte Schwuchteln rum, aber im Mittelpunkt steht ein Hetero, der Frauen auf den Hintern guckt.

Aber das war doch im Kinofilm nicht anders. Und der war mit über sechs Millionen Besuchern ein Überraschungserfolg.

Ja, aber der war wenigstens in den schwulen Rollen mit Rufus Beck und Joachim Król ganz gut besetzt. Und, mit Verlaub, die Story und die Dialoge waren um Einiges besser. Meine Vorlage stammt von 1987, seither hat sich gesellschaftlich viel getan, nur die Medien reiten noch auf dieser lächerlichen Figur der „Schwuchtel" herum, als wären wir immer noch in den siebziger Jahren.

Wie muss denn überhaupt eine gelungene Sitcom gestrickt sein, über die Schwule und Heteros gleichermaßen lachen können?

Das ist eine Frage der Authentizität. Ich zeichne seit 20 Jahren Comics, und die werden von Heteros wie auch von Schwulen gekauft. Die Leute lesen es, weil es ehrlich und komisch ist. Diese Sitcom ist weder das eine noch das andere.

Die Produzenten der „Bewegten Männer" haben die Drehbücher einem Experten aus der Schwulen-Szene vorgelegt, um sie auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Reicht das aus – oder gibt es einen schwulen Humor, den andere gar nicht verstehen?

Schwuler Humor? Ich weiß nicht. Vielleicht könnte man von einem Code sprechen. Wenn schwule Männer untereinander sind, reden sie auch über Komplexe, Peinlichkeiten und Probleme beim Sex und verlieren dabei nicht den Humor. Heteros sind untereinander nicht so offen.

Witze über Randgruppen sind gesellschaftsfähig geworden. Ist es verboten, über Schwule zu lachen?

Nein, im Gegenteil, Aber Comedy ist heutzutage so platt, damit auch der letzte Depp den Witz versteht. Eine Sendung über Schwule ist nun mal auch ein Politikum. Wir werden immer wieder so dargestellt, wie Nicht-Schwule es kennen und gern haben: doof und tuntig. So wie in dieser schrecklichen Iglo-Werbung mit Holger und Max: „Tatü-tata, das Essen ist da.“ Das ist unwahr und diskriminierend. Davon kriege ich Pickel!

Würde es Sie nicht reizen, selber das Drehbuch für eine schwule Sitcom zu schreiben?

Nein, ich bleibe nach einigen Filmerfahrungen lieber bei meinen Comics. Es ist nahezu unmöglich, Produzenten zu finden, die nicht nur auf die Quote schielen. In Amerika gibt es eine schöne schwule Soap, „Queer as folk", die hat gute, ehrliche Dialoge und sogar einen geilen Schuss Männer-Erotik. Aber die läuft natürlich nur im Pay-TV.

Das Interview führte Antje Hildebrandt.

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