Medien : Dein Freund, die USA

ZDF-Doku erinnert an die Berlin-Blockade

Eckart Lottmann

Mercedes Wild, 1948 ein zehnjähriges Mädchen, erinnert sich noch genau an den Beginn der Blockade Berlins: „Meine Mutter sagte ganz aufgeregt: Jetzt kriegen wir nichts mehr zu essen, die haben alles blockiert.“ Die, das waren die Sowjets. Fast ein Jahr lang waren die drei Westsektoren Berlins zu Land und zu Wasser von allem Nachschub abgeschnitten. Das ZDF erzählt in einer anderthalbstündigen Dokumentation von der „Ersten Schlacht des Kalten Kriegs“ – der Luftbrücke, mit der die politische Unabhängigkeit West-Berlins gesichert wurde. Eine „Schlacht“, die mit durchaus unkriegerischen Mitteln gewonnen wurde. Man könnte auch sagen: Eine erste Demonstration westlicher Überlegenheit in Sachen Logistik und Wirtschaftskraft.

Zu Recht verweist das ZDF darauf, dass die Reaktion der Westmächte auf die Blockade zunächst nicht klar vorauszusehen war. US-Präsident Harry S. Truman befand sich im Wahlkampf, und sein in Deutschland kommandierender General Lucius D. Clay erwog durchaus den Einsatz von Panzern. Neben Krieg war auch der Rückzug der West-Alliierten aus West-Berlin eine realistische Möglichkeit. Doch die Amerikaner entschieden sich für eine logistische Herausforderung, die bislang noch niemand gemeistert hatte: Die Versorgung einer Millionen-Metropole aus der Luft. Alle drei Minuten landete ein Transportflugzeug auf einem der West-Berliner Flughäfen.

Auf vielen Flugplätzen wurden die amerikanischen Maschinen nun von deutschem Personal gewartet, das noch wenige Jahre zuvor daran gearbeitet hatte, eben diese Maschinen abzuschießen. „Crazy“, sagt der ehemalige US-Pilot Gail Halvorsen dazu, es kommt ihm heute noch merkwürdig vor. Aber: „Those guys were good“, die Jungs waren gut. Halvorsen und seine Kollegen flogen, solange es ging. Über 278000 Flüge erreichten die Stadt bis zum Ende der Blockade.

Die ZDF-Dokumentation hat Zeitzeugen mit interessanten Geschichten gefunden. Mercedes Wild etwa, die wie viele andere Berliner Kinder hoffte, einmal etwas von der Schokolade abzubekommen, die amerikanische Piloten aus dem Fenster warfen. Schließlich schrieb sie an den „Schokoladenonkel“, er solle doch beim nächsten Mal Schokolade auch für sie abwerfen, und zwar über dem Hof mit den weißen Hühnern. Halvorsen schickte ihr ein hübsches Päckchen, vorsichtshalber per Post. Mercedes Wild war schwer beeindruckt, für sie war er fortan wie ein Vater: „Weil er mir gezeigt hat, dass er für mich da ist.“

Es ist eine dankbare Geschichte, die das ZDF mit der „Luftbrücke“ erzählt: Sie hat ein Happy End, und sie zeichnet ein Bild der Versöhnung: Frühere Feinde werden zu Freunden. Es ist wahrscheinlich kaum schätzbar, was die Organisation der „Luftbrücke“ für das jahrzehntelang ausgesprochen gute Verhältnis der Bundesrepublik zu den USA bedeutet hat.

Guido Knopp, Leiter des Bereichs Zeitgeschehen im ZDF, betont, dass es gerade heute wichtig sei, einmal ein „anderes Bild der USA zu entwerfen“. Will sagen: Es gibt heute so viel Kritik an den USA, dass es gut ist, einmal an die Luftbrücke zu erinnern: Da profitierte West-Berlin von der militärischen und wirtschaftlichen Potenz der USA. Gar so dramatisch, wie der Film die Ereignisse schildert, sind sie aber wohl doch nicht gewesen: Die Sowjetunion erkannte offenbar schon bald, dass die Blockade ein politischer Fehler war. Eine bessere Maßnahme, um die Sympathiewerte der USA zu steigern, hätte man kaum erfinden können. Und auch als Fernsehformat hat die Luftbrücke Zukunft: Am 27. und 28. November läuft auf Sat1 das Dokudrama „Die Luftbrücke – Nur der Himmel war frei“.

„Die Luftbrücke“, ZDF, 20 Uhr 15.

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