Medien : Delphin schluckt Wal

US-Zeitungskette Knight Ridder wird verkauft

Christoph von Marschall

Inmitten einer großen Verunsicherung über die Zukunft der Zeitungsbranche wird die zweitgrößte US-Kette Knight Ridder für 4,5 Milliarden Dollar verkauft – an den kleineren Konkurrenten McClatchy, bisher die Nummer 5 nach Auflage und Umsatz. Zu Knight Ridder gehören 32 regionale Tageszeitungen und 65 weitere Blätter vor allem an der Ostküste und in Kalifornien sowie in Kansas, Minnesota, den Dakotas und Texas, darunter so traditionsreiche Titel wie „Miami Herald“ und „Philadelphia Inquirer“ – alles in allem rund drei Mal so viele wie McClatchy besitzt. Einige wird McClatchy mit Blick auf die Kartellkontrolle gleich wieder verkaufen müssen, da der Konzern bereits Blätter in diesen Regionen hat.

Die US-Zeitungen leiten zwei gegensätzliche Botschaften aus dem Verkauf ab. Einerseits wird das Zeitungsgeschäft angesichts der Internetkonkurrenz immer schwieriger. Andererseits ist es offenbar noch einträglich genug, um attraktive Gewinne und Verkaufspreise zu erzielen. McClatchy bezahlt für die Knight-Ridder-Aktien einen Preis, der rund 25 Prozent über dem Kurs vom November liegt, als die Verhandlungen begannen. Die Schätzungen variieren, ob die Kaufsumme dem Zehnfachen oder bis zum 14- Fachen des Jahresumsatzes von Knight Ridder entspricht.

Ausgelöst wurde der Verkauf durch Unmut auf der letzten Aktionärsversammlung über eine zu geringe Gewinnspanne. Bruce Sherman, dessen Firma Private Capital Management 18 Prozent hält, das größte Aktienpaket, verlangte den Verkauf, um nach Kursverlusten Einlagen und Gewinne zu retten. Knight Ridder erzielte zuletzt eine Bruttogewinnmarge von 16,4 Prozent, McClatchy dagegen 22,8 Prozent. Der kaufende Konzern, der seit 149 Jahren über fünf Generationen von der Familie kontrolliert wird, gilt als kreativer und flexibler.

„Ein Delphin schluckt einen Wal“, kommentierte ein Börsenanalyst in der „New York Times“. Das „Wall Street Journal“ schreibt, alle Totengesänge auf die Zeitungsbranche seien verfrüht. Es sei aber eine Lehre für Wirtschaftsjournalisten, die sonst die „kreative Destruktion“ als ökonomischen Gewinn preisen, dass sie selbst betroffen sein können von der Zerschlagung alter, weniger profitabler Strukturen.

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