Dem Außen entzogen : Kennedy, Stonehenge, Sonnentempler

3sat widmet einen ganzen Sendetag allerlei Geheimgesellschaften.

von
Seit fast 5000 Jahren. Was ist der Geheimcode von Stonehenge? Foto: 3sat
Seit fast 5000 Jahren. Was ist der Geheimcode von Stonehenge? Foto: 3sat

Wer kontrolliert das Weltgeschehen? Wer entscheidet unser Schicksal? Wer hat die Macht? Das sind die Kernfragen, die anlässlich des heutigen 3sat-Thementages „Geheimgesellschaften“ in einem Beitrag gestellt werden. Ein schönes Beispiel einer Geheimgesellschaft beschreibt Umberto Eco in seinem Bestseller „Der Name der Rose“. Jenes italienische Kloster, das der Mönch William von Baskerville aufsucht, um dort eine Reihe von Morden unter Klosterbrüdern aufzuklären, stellt eine Geheimgesellschaft par excellence dar. Das eindringende Außen, verkörpert durch Baskerville, ist jene Bedrohung, die dem Kloster sein Geheimnis zu rauben droht.

3sat widmet am Sonntag den „Geheimgesellschaften“ einen ganzen Thementag, 24 Stunden lang, mit Dokumentationen, Features, Berichten und Filmen: von „Der Geheimcode von Stonehenge“ (12 Uhr) über „Tempel, Logen, Rituale – Die Geheimnisse der Freimaurer“ (8 Uhr 15) bis hin zu „Der Kennedy-Mord – Mythos und Wahrheit“ (10 Uhr 30). Auch zwei Fernsehfilme, „Die Nachrichten“ (2005) und „Bis nichts mehr bleibt“ (2010), sind im Programm dieses Thementages.

Die interessanteste Dokumentation ist „Die Sonnentempler – Eine Reise in den Tod“ (21 Uhr 45). Der Film begibt sich auf eine Reise ins Innere dieser ominösen Sekte, zeigt seltene Originalaufnahmen von Sonnentempler-Ritualen sowie Ausschnitte aus absurd-anachronistisch anmutenden Werbevideos mit Sektenführer Joseph Di Mambro oder Luc Jouret. Auch den Hintergründen der Massenmorde vom 5. Oktober 1994 – in Chalets in Cheiry und Salvan wurden 48 Tote gefunden, in Kanada weitere fünf Leichen – wird nachgegangen.

Eine sehenswerte Ausgabe der „Kulturzeit extra – Geheime Gesellschaften. Wie Künstler die Welt entschlüsseln“ begibt sich in die Ausstellung „Geheimgesellschaften. Wissen Wagen Wollen“ der Frankfurter Schirn Kunsthalle (bis 25. September). Dort gehen zeitgenössische Künstler dem Topos des Geheimen nach – etwa die Deutsche Ulla von Brandenburg, die von einer „Sehnsucht nach dem Unsichtbaren“ spricht und die Symbole und Riten der Freimaurer thematisiert. Oder der Amerikaner Jonathan Horowitz, der sich in seiner Fotoinstallation „Suspects“ mit 9/11 und George W. Bush beschäftigt. Auch kompiliert die „Kulturzeit“-Doku Szenen und Bilder „sehr realer Geheimbünde, die den Lauf der Welt beeinflussen wollen“. Thilo Wydra

„Geheimgesellschaften“, 3sat, ab 6 Uhr 05

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben