Medien : Dem Fest entfliehen – nach Sibirien

Thomas Gehringer

Die ARD hat vor einigen Jahren ein Erfolgsrezept gefunden: Man nehme einen bekannten Fernsehkopf, schicke ihn für einige Monate in die (Eis-)Wüste und füttere das zwischen den Jahren besonders große Fernweh des TV-Publikums mit gesammelten Reise-Bildern.

In diesem Jahr darf sich Klaus Bednarz beweisen, und das gleich mit dem „Aufwendigsten, was ich beruflich jemals geplant hatte“. Diesmal folgte er der mutmaßlichen Route der nordamerikanischen Ureinwohner, die angeblich von Sibirien über Alaska nach Amerika einwanderten. Wie ein magischer Ort scheint es die ehemaligen Moskau-Korrespondenten immer wieder nach Sibirien zu ziehen, wo es „schön und schrecklich zugleich ist“, so Bednarz in der ersten Folge des ARD-Dreiteilers „Östlich der Sonne“ (25. Dezember, 22 Uhr 15). Der Ex-„Monitor“-Chef hatte bereits vor vier Jahren das Naturwunder Baikalsee erkundet. Auch Gerd Ruge war bereits die Lena, den größten sibirischen Fluss, hinaufgeschippert. Muss es immer der wilde Osten sein? Warum nicht, wenn man mit einem Kameramann von der Qualität Maxim Tarasjugins reist.

Der Russe ist der unsichtbare Star dieser Reportage. Mit Klaus Bednarz war er bereits am Baikalsee und in Ostpreußen. Überall hat er Bilder von bestechender Klarheit gefunden. Bei Temperaturen unter null Grad zu drehen, ist nicht nur für die Technik eine Herausforderung. Tarasjugin filmt, wenn bereits die Luft zu gefrieren beginnt, wenn winzige Eiskristalle das Licht der Sonne brechen. Tarasjugin hat den Blick für die weniger spektakulären Episoden am Rande der über 10 000 Kilometer langen Reise und begleitet die Gespräche, die Bednarz mit Jakuten, Tschuktschen und Eskimos geführt hat, aufmerksam und schnörkellos.

Apropos Erfolgsrezept. So ein ansehnliches Stück Autorenfernsehen lässt sich auch gut vermarkten: Das Buch zum Film befindet sich schon vor der Ausstrahlung unter den Top Ten der „Spiegel“-Bestsellerliste.

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