Medien : „Den Schuh ziehe ich mir nicht an“

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Herr Schächter, was haben die Fernsehchefs dem Bundeskanzler versprochen?

Dem Bundeskanzler wurde nichts versprochen. Es wurde vereinbart, das Gespräch am Runden Tisch in einer breiteren Zusammensetzung fortzuführen.

Die Gesprächsrunden mit Sendern, Politikern und Computerspiel-Herstellern sollen auch im Fernsehen zu einem verbesserten Jugendschutz führen. Was soll da wie verbessert werden?

Wir haben sehr strenge Regeln im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Ob andere etwas nachzuholen haben, wird die Diskussion zeigen.

Und, haben andere etwas nachzuholen?

Es soll jeder vor seiner eigenen Tür kehren.

Die Sender pochen sehr auf Selbstkontrolle, das ZDF verweist stolz auf seine Effektivität. Steht alles zum Besten, und nur der Kanzler ist aufgeregt?

Nein, es gibt überall Fehler und Fehleinschätzungen. Mehr Regelungsbedarf sehe ich nicht, es muss nur der Geist der Regelungen besser umgesetzt werden

Wer hat bei der Umsetzung versagt?

Hier muss sich jeder überprüfen.

Eine externe Kontrolle ist beim ZDF also überflüssig?

Wir sind in gutem Kontakt und regelmäßigem Austausch mit unseren Gremien, die seit zehn Jahren unseren Jugendschutzbericht prüfen und kontrollieren.

Kein qualitativer Unterschied zwischen interner und externer Kontrolle?

Diese Form der Kontrolle ist das beste System, weil da die Kontinuität und die Professionalität der Diskussion am besten gewahrt bleiben. Mit der Zusammensetzung unseres Aufsichtsgremiums, des Fernsehrates, ist die gesellschaftliche Bandbreite für die Kontrolle garantiert.

Ist der Jugendschutz in Deutschland nicht auf viel zu viele Stellen und Ebenen verteilt?

Über organisatorische Fragen möchte ich erst reden, wenn wir die inhaltlichen Fragen geklärt haben. Möglicherweise weist der vom ZDF vorgeschlagene Kodex in die richtige Richtung.

Trotzdem, ist mit einem verbindlichen, bundeseinheitlichen Jugendschutz nicht mehr zu erreichen als mit einem freiwilligen Ehrenkodex der Fernsehsender?

Das gehört für mich zu den organisatorischen Fragen.

Sie selbst, Herr Schächter, sind Vater dreier Kinder. Was sagen die denn zur Gewalt-Debatte?

Meine Kinder machen mir in vielen Gesprächen deutlich, dass in vielen Videos und Computerspielen Gewalt als Konfliktlöser als etwas Selbstverständliches, als etwas Hippes behandelt wird. Das macht mir große Sorgen. Hier geht es um Kernpunkte unserer Zivilisation. Gewalt darf niemals gesellschaftliche Anerkennung finden.

Wenn man Sie hört, Herr Schächter, dann sitzen in den deutschen Fernsehsendern die Friedfertigen und bei den Herstellern von Video- und Computerspielen die Gewaltbereiten.

Nein. Ich ziehe mir nur den Schuh der Gewalt-Verbreitung durch Fernsehsender nicht an. Gleichzeitig müssen wir uns als Leitmedium fragen, wie wir gemeinsam mit anderen Medien mit diesem Thema umgehen.

Gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Erfolg eines Programms und seinem Gewalt-Gehalt?

Die Gleichung Gewalt gleich Erfolg geht zumindest im ZDF nicht auf. Unsere Dramaturgen haben in den letzten zehn Jahren festgestellt, dass die Zuschauer eine zugespitzte Gewaltdarstellung gar nicht so sehr mögen, wie vermutet wird. Wir haben im ZDF deutlich weniger Gewalt in unseren Filmen als vor zehn Jahren.

Heißt: Das Fernsehen zeigt kaum oder keine Gewalt. Und die Jugendlichen gehen online.

Über solche, möglicherweise bestehenden Verbindungen wollen wir sprechen. Das muss nach Erfurt genauer untersucht werden.

Das Gespräch führte Joachim Huber.

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