Medien : Denker im Dienst

Rudolf Kowalski ist der neue Düsseldorfer Hauptkommissar „Stolberg“

Helge Hopp

Nicht sofort, das nicht, aber in ein paar Jahren tut ihm das Leben vielleicht den Gefallen, dass Hannelore Hoger auf der Straße mit „Guten Tag, Frau Stolberg“ gegrüßt wird. Das fände Rudolf Kowalski ziemlich lustig. Oft genug wurde er, der den Simon Abendroth, jenen so leidensfähigen wie sensiblen Privatgefährten der ZDF-Kommissarin mit dem schönen Vornamen Bella gibt, schließlich schon mit „Guten Tag, Herr Block“ angesprochen. Aber, so erläutert der 58-Jährige glaubwürdig, das war nicht der Hauptgrund, warum er selbst den Sprung zur Serien-Hauptrolle, noch dazu als Düsseldorfer Hauptkommissar, gewagt hat. „Matti Geschonneck war ein ordentliches Pfund, mit dem da gewuchert wurde“, nennt er die Verlockung beim Namen des gerade erst mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrten Regisseurs, der die neue Serie entwickelte. Selbst dass es lange Zeit kein Drehbuch gab, erschütterte ihn nicht. Erstens sei sein „Grundvertrauen zu Matti so groß, dass es auch das verkraftete“, außerdem konnte er „gerade deshalb noch ein bisschen mitreden.“ Und ja, er war „geschmeichelt, dass man auf mich gekommen war“.

Als Typ ist Kowalski nicht festgelegt, das macht ihn unter Regisseuren zur geschätzten Geheimwaffe. „Ich habe mich auch in meiner Film- und Fernsehzeit, also jetzt seit 1993, immer bemüht, stets sehr, sehr unterschiedliche Rollen zu spielen“, sagt der dezent fahnenflüchtige Theater-Mensch, „das ist etwas, das mich auszeichnet.“ Nun Titelheld einer Krimi-Serie – Aufstieg oder Absturz, das wird sich zeigen, das sind nicht Kowalskis Kategorien – zu simpel, zu oberflächlich. Überhaupt ist der Mann eher ein Herr, kein Angeber, keiner von der Sorte, die nicht nur erfolgreich ist, sondern auch noch intelligent, mindestens intellektuell erscheinen will. Rudolf Kowalski im Gespräch, das ist ein versierter Untertreiber mit Charme, gelassen und selbstironisch: „Mittlerweile ist es eher schwierig, in einem Schauspieler-Leben keinen Kommissar zu spielen“, gibt er zu, dass diese Figur ein wenig an Glamour verloren hat, „die Polizei ist als Berufsstand im Fernsehen völlig überrepräsentiert.“ Jedoch dürfe man sich Schauspieler auch nicht immer als Weltreisende in Venedig oder Cornwall vorstellen. Er fände es fein, jeden Tag von zu Hause zum Drehen zu kommen, „solche Annehmlichkeiten darf man nicht unterschätzen.“

Seine Figur, der Stolberg, ist ein präziser Frager und ruhiger Denker, so altmodisch in der Tradition der Trimmel, Haferkamp und Finke verhaftet, dass es schon wieder erfrischend wirkt. Der Mann hat, nimmt man die alte Frage, was man so einer neuen Figur „mitgibt“, erfreulich wenig Lasten zu schultern. Weder ein traumatisches Erlebnis noch ein Privatleben ist in Sicht. Wir begleiten einen hoch qualifizierten Angestellten beim Tagwerk. Kowalski schmunzelt, wenn man sagt, der Stolberg sei so korrekt, dass man ihn sich noch nicht mal auf einer Weihnachtsfeier vorstellen könne: „Stimmt, da würde er wohl nicht hingehen.“

Man merke zwar manchmal, dass ihm Ereignisse auch nahegehen, aber er würde nicht darüber sprechen wollen. Vor dem ersten Drehtag sei ausgiebig über Stolbergs Sprache debattiert worden. „Wenn es eine so klare Figur sein soll, muss der auch so sprechen“, findet Kowalski, „da entfallen diese ganzen ,Ich würde sagen‘ oder ,Darf ich Sie fragen?‘. Wenn Stolberg eine Frage hat, dann fragt er.“ Den Preis für besondere Sozialkompetenz strebe der sicher nicht an, glaubt Kowalski, der wie ein wohlinformierter Anwalt seiner Figur spricht, „der geht auch manchmal einfach raus, wenn ein Gespräch beendet ist, weil er nicht auf die Idee kommt, er müsste sich nun noch verabschieden.“ Dass die ersten beiden Folgen mit dem Kommissar unseres Vertrauens an Originalität und auch Plausibilität nicht ganz das halten können, was dieses Duo verspricht, muss man verkraften, immerhin herrscht eine Haltung: Der Debüt-Fall „Todsicher“ ist gewiss der maklerfeindlichste Film des Jahres.

Man schaut Stolberg wie Kowalski gern beim Verfertigen von Gedanken zu. Beide Herren strahlen selbst dabei eine gewisse Klasse aus, die ihnen allzu vorgefertigte Formulierungen verbietet. „Der ist bedächtig im Wortsinne“, sagt Kowalski über seinen Bruder im Streben, „er hört zu und denkt nach, mehr als andere, sorgfältiger auch.“ Rudolf Kowalski selbst, der als Sechsjähriger Polizist werden wollte, dessen Bewerbung damals aber aus biografischen Gründen scheiterte, ist gerade recht froh. Mit sich, dem Stolberg und all den anderen Rollen. „Ich werde langsam misstrauisch, weil ich denke, es geht mir schon sehr lange fast zu gut“, seufzt er mit nur ein ganz bisschen Koketterie dazu, „vielleicht stürzt doch noch der Himmel ein.“

„Stolberg: Todsicher“, ZDF, 20 Uhr 15

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