Medien : Denn der Tod gehört zum Leben

Was passiert eigentlich, wenn jemand stirbt? Die „Sendung mit der Maus“ auf Erklärungssuche

Rolf Brockschmidt

„Was weiß ich eigentlich vom Sterben? Was geschieht, wenn jemand, der einem nahe steht, plötzlich stirbt?“ Diese Fragen beantwortet Armin Maiwald heute am Totensonntag in einer monothematischen „Sendung mit der Maus“ mit dem Titel „Abschied von der Hülle“. Aber ist der Tod nicht etwas, das man von den Kindern am liebsten fern halten würde? Wir haben den Tod aus unserem Leben verdrängt, weil wir nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen. Roberto Piumini hat vor zehn Jahren das wunderbare Buch „Matti und der Großvater“ geschrieben und kindgerechte Worte für das gefunden, was Erwachsenen so schwer fällt zu erklären.

Nun also eine „Maus“ über das Sterben. Ermutigt haben das Team die Reaktionen auf die sehr bewegende Sendung über das kurze Leben von Katharina 1997, die an einer unheilbaren Muskelkrankheit litt und daher so früh sterben musste. „Die Geschichte von Katharina“ war eine sensible Rekonstruktion dieses kurzen Lebens mit einem beeindruckenden Publikumsecho.

Aber wie dreht man eine Beerdigung? Eine wahre Geschichte kann man schlecht filmen. Armin Maiwald hilft sich mit einem Trick. Er erfindet seinen Zwillingsbruder Eckhard und stellt sich vor, was geschehen würde, wenn sein Zwillingsbruder stürbe. Armin würde die Nachricht am Arbeitsplatz treffen, er würde alles stehen und liegen lassen und seinen Bruder aufsuchen. Er müsste einen Arzt bestellen, der die Todesursache feststellt und alles schiene ihm noch so unwirklich. Aber um das zu begreifen, hat er gar keine Zeit, denn er müsste zunächst die Haushälterin trösten, die den Bruder gefunden hat und ihr einen Kaffee zur Beruhigung kochen. Er würde sich hilflos fühlen, unfähig zu heulen, ratlos.

Behutsam inszeniert Armin Maiwald die Vorbereitung der Beisetzung wie eine Dokumentation, nur dass eben der Tote sein Double ist. Und deshalb redet Armin auch immer im Konjunktiv. Diese Kommentare wirken beruhigend und erklärend, denn der gute Armin hat mit der Organisation der Beerdigung so viel um die Ohren, dass er keine Zeit hat zu trauern. Dann müssen Freunde und Verwandte angerufen werden, auch Armins Neffe im fernen Kanada. Die kanadische Verwandtschaft reist zur Beerdigung an und einer der Söhne legt dem Toten, der einmal Lokführer war, eine kanadische Modellok auf die Brust, vielleicht einer der anrührendsten Momente des Films. Für die beiden Kinder, so scheint es, eine selbstverständliche Tat, denn der Tod gehört zum Leben dazu.

Armin fühlt sich in einem „Schwebezustand von gehetzt und gelähmt“. Das Absenken des Sarges wäre für ihn der endgültige Augenblick des Abschiedes. Die Trauer käme erst danach, wenn alles vorbei ist, wenn der Bruder als Angelpartner fehlt und er trotzdem irgendwie noch da ist.

Die „Sendung mit der Maus“ endet mit der Einswerdung der vermeintlichen Zwillingsbrüder. Eckhard geht in Armin wieder auf, denn es war ja nur eine Geschichte, die zeigen soll, was wäre, wenn. Und das ist dem Maus-Team hervorragend gelungen. Armin Maiwald hat eine unaufgeregte Sprache gefunden, die sachlich, aber mit Gefühl den ganzen Vorgang in allen Facetten in bewährter Form dokumentiert. „Abschied von der Hülle“ ist eine ehrliche und würdige Sendung, die sich Kinder mit ihren Eltern anschauen sollten. Beide werden etwas lernen und alle werden sich hinterher viel zu erzählen haben.

„Die Sendung mit der Maus“,

ARD, 11 Uhr 30

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben