Medien : Der alte Mann und das Mehr

TV-Kritik: Reich-Ranicki verdient, Heidenreich verliert

Joachim Huber

Schon der unvergessene Harry Wijnvoord wusste 1873 RTL-Folgen lang: „Der Preis ist heiß“. Das weiß auch der Neuerdings-Fernsehkritiker Marcel Reich-Ranicki, als er beim Deutschen Fernsehpreis posaunte: „Ich nehme diesen Preis nicht an.“ Und weil dieser Preis kein Geld abwirft, rächt sich Reich-Ranicki doppelt. Er lässt die Telekom-Sparte T-Home mit seinem Auftritt bei der Fernsehpreis-Gala werben. Slogan: „Bei uns findet jeder ein Fernsehprogramm, das ihm gefällt.“ Das ist wahr, im T-Home-Paket findet sich neben Pretiosen all das „Abscheuliche“, das ReichRanicki mit dem Medium verbindet.

Während diese Anzeige abgesprochen war, wusste Reich-Ranicki nach eigenen Angaben nichts von einem weiteren Inserat mit seinem Konterfei. Am Montag druckte die „Hamburger Morgenpost“ eine Anzeige des Billigfliegers Ryanair mit einem ähnlichen Bildausschnitt. Im Text weist die Airline auf ihre günstigen Flugpreise hin: „Diesen Preis nehme ich an“. Auf diese Werbung reagierte Reich- Ranicki mit den Worten: „Es ist alles großer Quatsch“ und: „Ich kümmere mich nicht darum.“ Anschließend fügte er hinzu: „Ich bring das schon in Ordnung.“

Werbung mit Prominenten ohne deren Wissen oder Zustimmung hat es immer wieder gegeben. So plakatierte der Autovermieter Sixt nach dem Rücktritt von Finanzminister Oskar Lafontaine Anfang 1999 Fotos von 16 Regierungsmitgliedern, Lafontaines Bild war durchgestrichen. Der Text lautete: „Sixt verleast auch Autos für Mitarbeiter in der Probezeit.“ Dieselbe Firma warb 2001 mit einem Foto der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel mit Sturmfrisur in einem Cabrio. Während Lafontaine erfolglos klagte, nahm Merkel die Anzeige mit Humor und empfahl die Überweisung des Fotohonorars an eine gemeinnützige Organisation.

Apropos Humor. Der Streit zwischen dem ZDF und seiner Mitarbeiterin Elke Heidenreich hat sich verhärtet. Auf ihre vielfältige Kritik am Fernsehpreis, am ZDF und am Umgang mit ihrer Literatursendung „Lesen!“ hin hat Intendant Markus Schächter einen Brief geschrieben. Es gebe im Sender „die Auffassung, dass diejenige, die sich für das ZDF schämt, nicht gezwungen werden sollte, für dieses weiter zu arbeiten.“

Es sieht nach Trennung aus, auch wenn das ZDF die geplanten Sendetermine für die nächsten „Lesen!“-Ausgaben – 31. Oktober/ 5. Dezember – bestätigt hat. Jetzt soll es ein Gespräch zwischen Heidenreich, Programmdirektor Thomas Bellut und Kulturchef Peter Ahrens geben. Der Stimmung im ZDF nach könnte es ein Abschiedsgepräch werden. Möglich, dass das ZDF die erste Fernsehmärtyrerin 2008 n. Chr. erschafft. Joachim Huber

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