Medien : Der amerikanische Hund

Ein Porträt des Kriminalautors James Ellroy

Hendrik Feindt

Wer ist der Widerling, er oder ich? Das möchte sich der Zuschauer fragen. Aber da ist es vielleicht schon zu spät. Umlullt ist er dann, in James Ellroys Worten, von dem unerträglichen Wortschwall, mit dem sich der aus Los Angeles stammende Autor von Kriminalromanen inszeniert. „American Dog“ heißt der Dokumentarfilm von Clara und Robert Kuperberg, der Ellroy zur Selbststilisierung dient.

Auf den Hund gekommen ist Ellroy gleich in der ersten Einstellung. Einen Kurzhaarterrier auf dem Schoß, berichtet er vor pinkfarbenem Hintergrund vom Zusammenhang zwischen der eigenen Autobiographie und einem bestialischen Mord, der 1947, ein Jahr vor seiner Geburt, unter dem Titel der „Schwarzen Dahlie“ in der Lokalpresse Schlagzeilen gemacht hatte. Der Zusammenhang ist genauso konstruiert, wie der Hund von einem Ausstatter für Filmstaffage ausgeliehen scheint. Beide sind jeweils Werkzeuge der Fiktion. Auf den Fall der „Schwarzen Dahlie“ konnte Ellroy später das Trauma projizieren, das er im Alter von zehn Jahren erlitt, als seine Mutter ebenfalls Opfer eines Sexualmordes geworden war. Und „The Black Dahlia“ ist der Titel des Films von Brian de Palma – derzeit im Kino –, der Ellroy 1987 in die vorderen Ränge der Krimi-Bestseller-Charts brachte.

Man nimmt diesem Autor die bewusst freimütig vorgetragene Aussage durchaus ab, nach der es für ihn keine andere sexuelle Vereinigung gibt als die mit seiner rechten Hand. Aber wer braucht diesen masturbatorischen Gestus? Kein Wunder, dass der ihm gewidmete Dokumentarfilm nur wenige Frauen zu Wort kommen lässt. Sie sind in Ellroys Welt (zumindest in der seiner Texte) offenbar Monster, die für Triebtäter und andere Monster Anlass zum Morden gewesen sind. Stattdessen kommt wiederholt ein Polizeisprecher ins Bild, voller Lob für die Atmosphäre, die Ellroys Texte von der Arbeit der Polizei im Los Angeles der Nachkriegsjahrzehnte übermitteln. Nicht zufällig vergleicht ein Fotohistoriker die deskriptive Kälte von Ellroys Romanen mit dem Licht von Blitzlampen, das damals die kriminalistische Tatortfotografie gekennzeichnet hatte.

„James Ellroy – American Dog“, Arte, 22 Uhr 15

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