Medien : Der andere "Lokalanzeiger"

Erik Heier

Vor wenigen Wochen erfuhren rund 100 freie Mitarbeiter der "Berliner Morgenpost": Sie werden demnächst nicht mehr benötigt. Grund: Die vom Ullstein-Verlag, der wiederum zum Axel-Springer-Verlag gehört, herausgegebene Zeitung muss sparen. Gespart wird zwar vor allem beim "Lokalanzeiger", einer bislang vierseitigen, werktäglichen Beilage mit kiezbezogenen Nachrichten, Reportagen und Sportberichten. Vom 30. Oktober an soll der "Lokalanzeiger" umstrukturiert und der Abo-Auflage dienstags und freitags als zwölfseitiges Magazin beigelegt werden. "Durch die komprimierte Form profilieren wir uns mit unserer Lokalkompetenz noch stärker", sagt "Morgenpost"-Sprecherin Charlotte Rybak.

Das sieht die Initiative "Pro Lokalanzeiger" anders. Bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend machten Sportvereine, Lokalverbände und Mittelständler ihrem Ärger über die geplante Umstrukturierung Luft. "Pro Lokalanzeiger"-Initiator Wolfgang Ed Koch, Leiter einer Jugendeinrichtung in Tempelhof-Schöneberg, prophezeite: "Die Abonnenten werden die Vertriebsstellen anrufen und sich beschweren: Ihr habt vergessen, den Lokalanzeiger reinzulegen."

Der Veränderung des bisherigen Konzeptes versuchen die ehemaligen "Morgenpost"-Mitarbeiter mit einer Neugründung zu begegnen. Der Unternehmensberater Herbert Börner, CDU-Vertreter in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln, arbeitet am Konzept eines eigenständigen Pendants zum "Lokalanzeiger", das den Berliner Blättern als Supplement angeboten werden soll. Darin wird die Kiez-Berichterstattung nach sechs Gebieten aufgeteilt und in einem täglich erscheinenden Heft gebündelt. In einem ersten Schritt sollen die Anlaufkosten über eine Einlage der Mitarbeiter finanziert werden. Mittelfristig sucht Börner einen finanzstarken Partner. Denkbar ist neben der WAZ-Gruppe auch ein branchenfremdes Unternehmen.

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