Medien : Der Babymacher

Mit der „Dr. Love Superbaby making Show“ will Singapur dem Nachwuchsmangel beikommen

Pablo Silalahi

Der Mann hat eine Mission: Wei Siang Yu will Kinder. Allerdings nicht für sich selbst, „Dr. Love“ will in Sachen Nachwuchs einer ganzen Stadt auf die Sprünge helfen. Denn in Singapur gibt es zwar fast alles, immerhin gehört der Stadtstaat zu den wohlhabenderen Orten der Erde. Nur an einem mangelt es – Babys. Und da Wei nicht nur Arzt, sondern auch Geschäftsmann ist, will er dort für seine Ideen werben, wo er sich Aufmerksamkeit erhofft: im Fernsehen.

Der Titel seiner geplanten Sendung für den Fernsehkonzern Mediacorp klingt nicht unbedingt bescheiden. „Dr. Love Superbaby making Show“ soll sie heißen. Mehrere Paare sollen gegeneinander antreten. Die Regeln sind recht simpel. Das Pärchen, das als erstes ein Baby zeugt, gewinnt. Und Dr. Love will dabei helfen. Das erinnert ein wenig an die „Sperma- Show“ (Untertitel: „Ich will dein Kind und sonst nichts“), die Suche nach geeigneten Samenspendern, die 2005 trotz Protesten einmalig im holländischen Privatsender Talpa lief. Holland, das ist das Land, das beinahe eine Niere per Castingshow verteilt hätte.

Die Paare in Dr. Loves Show sollen vor laufender Kamera unter anderem lernen, wie man sich gegenseitig in der Badewanne massiert. Für das prüde Singapur eine kleine Revolution. Die man aber gutheißt, denn ähnlich wie in Deutschland ist die Geburtenrate des Stadtstaates auf einem dramatischen Tiefpunkt. Deshalb lässt man den selbst ernannten Sex-Guru, der in Australien Medizin studiert hat, auch gewähren. Bereits jetzt gibt der 38-jährige im Fernsehen Tipps, wie man die Libido stimuliert.

Anstößige Szenen soll es in der geplanten Babymachershow nicht geben, sagt „Dr. Love“. „Wir werden keine Geschlechtsteile oder ähnliches zeigen, sondern die Menschen werden dann nur von hinten zu sehen sein.“ Man wolle keine Sexsendung, keine Pornografie liefern, sondern Infotainment. Im deutschen Fernsehen ist ein solches Format derzeit undenkbar. „Das kommt für uns nicht infrage“, sagt Sat-1-Sprecherin Kristina Faßler, die das Konzept für „eine von vielen bescheuerten Ideen“ hält.

„Dr. Love“ hat bereits das Magazin „Love Airways“ im Angebot. Das Heft hat immerhin schon tausend Abonnenten gefunden, seitdem es im Oktober 2006 auf den Markt kam. Eine beachtliche Zahl in einem 4,5 Millionen Einwohner zählenden Staat. Wei war der Erste, der im zugeknöpften Singapur eine Lizenz für ein solch schlüpfriges Magazin bekam. Neben nackter Haut ist vor allem Dr. Love in dem Heft zu sehen. Immer gut drauf und mit seinem Markenzeichen, einer überdimensionalen Brille, ausgestattet.

Auch jenseits von Fernsehen und Magazin ist „Dr. Love“ in Singapur bekannt wie der berühmte bunte Hund. Seine Partys sind legendär. Die Gäste wetteifern um das flippigste und schrägste Outfit. Und meistens gewinnt der Gastgeber. So skurril „Dr. Love“ ist, er bewirkt auf seine besondere Weise etwas. „Den jungen Leuten sagt man hier: Geh bloß weg mit deinen Pubertätsproblemen, sieh zu, dass du vorankommst in der Schule“, klagt Wei über die Leistungsgesellschaft. Mit seinem Engagement will er den Jugendlichen vor allem auf unterhaltsame Art helfen. Aber es geht ihm in seiner geplanten Sendung nicht um den Spaßfaktor. Singapur hat ein echtes Nachwuchsproblem. Um wirtschaftlich weiter zu prosperieren, braucht Singapur kreative Köpfe, und dafür sei der Fortpflanzungsinstinkt die beste Energiequelle. Das Publikum vertraut Wei. Wenn „Dr. Love“ zum Dinner ausgeht, so kann es sein, dass eine junge Frau an seinen Tisch kommt und ihn um Rat bittet, in privatesten Fragen.

In Singapur dominiert die strenge chinesische Sexmoral. „Da finden Sextherapien nur im Krankheitskontext statt, in sterilen Arztpraxen“, sagte „Dr. Love“. In seiner eigenen Praxis sieht es hingegen anders aus: Videos und Spielzeuge und anregende Farben dominieren das Bild. Singapurs Sexcoach selbst lebt noch bei seiner Mutter. Zwar sei er in festen Händen. An eigenen Nachwuchs denke er aber zurzeit nicht. Obwohl er wissen müsste, wie es geht.

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