Der Ball ist ECKIG : Enthüller am Mikrofon

Ein Lob auf die öffentlich-rechtlichen Reporter bei der Fußball-WM: Sie können Fragen stellen, ohne etwas Überraschendes aus den Spielern heraus zu kitzeln.

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ARD-WM-Studio, Samstagabend. Moderator Claus Lufen sagt zu Philipp Lahm: „Bundestrainer Löw hat erklärt, dass Deutschland ins Achtelfinale kommt. Wie ist Ihre Meinung?“ Ja, wie wohl? Natürlich wird der Kapitän der Nationalmannschaft nun missbilligend blicken und erklären: „Der Trainer hat leider keine Ahnung. Wir blamieren uns selbstverständlich gegen Ghana und fliegen raus. Tja, so ist das Leben.“ Stattdessen, Achtung: jetzt kommt’s, verkündet Lahm: „Ich sehe es wie der Trainer. Wir kommen weiter.“ Ist das nicht ein Hammer?

Ist es, ist es, und deshalb kann man nicht laut genug die öffentlich-rechtlichen Reporter loben. Wie sie mit bohrenden Fragen oder feinsinniger Interviewtechnik Überraschendes herauskitzeln. Oder einfach nur Ungewöhnliches aufdecken. Wir schalten zu Boris Büchler (ZDF), im Gespräch mit Lukas Podolski. Alle Welt erwartet logischerweise, dass Podolski die Schuld an seinem verschossenen Elfmeter abschiebt, auf Löw etwa oder Keeper Neuer. Die waren ja auch auf dem Platz, als er mutterseelenallein den Ball versemmelte. Aber Podolski sagt, er nehme es auf seine Kappe. Er gibt Fehler zu, unglaublich. „Das ehrt Sie“, sagt Büchler ergriffen.

Danke auch an Gerhard Delling, ARD. Danke dafür, wie beeindruckt er enthüllte, dass sich Ghanas Torhüter in der Abendkälte ständig warm gehalten hatte. Die TV-Zuschauer konnten das ja nicht sehen. Die hatten bestimmt gedacht, dass der gute Mann die Hände um seinen Körper geschlungen hatte und starr wie ein Ausrufezeichen dastand, bis die Zähne anfangen würden zu klappern. Einen wie Günter Netzer muss man an dieser Stelle einfach hinnehmen wie Vuvuzuela-Getöse. Er gibt immer den arroganten Superexperten, der ist so. „Dass sich ein Torhüter warm hält, ist doch eine Selbstverständlichkeit“, brummte er zu Delling. Netzer hört nach der WM auf. Alles wird gut. Frank Bachner

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