Der Ball ist ECKIG : Ich bin ein Meinungsnichts

Matthias Kalle

Unter den WM-Medien-Kolumnisten, die an dieser Stelle schreiben, bin ich Spanien. Ich komme spät rein ins Turnier, irgendwie finde ich nicht den Rhythmus. Die Erwartungen, die man in mich setzt, empfinde ich als Last, es könnte durchaus passieren, dass ich die Vorrunde nicht überlebe, was vor allem auch daran liegt, dass ich im Moment noch zu nichts eine Meinung habe. Und wenn man als Kolumnist keine Meinung hat, dann kann man auch gleich zu Hause bleiben, so wie die Griechen besser auch zu Hause geblieben wären.

Zum Beispiel habe ich keine Meinung zur Vuvuzela. Fand ich erst doof. Dann sah ich aber Guido Cantz in „Waldis WM-Studio“, der sagte dort, dass er die auch doof findet, da wollte ich die Dinger unbedingt gut finden, aber auch das gelang nicht richtig, und heute stelle ich fest, dass mir die Tröte egal ist.

Schuld an meiner Meinungslosigkeit ist natürlich das Fernsehen selbst, die Übertragungen der WM – ich schaue alles – machen mich fix und fertig und leer. Den Mechanismus hat der Kollege Bartels am Mittwoch an dieser Stelle schön erklärt, dazu habe ich seltsamerweise eine Meinung, so wie ich auch finde, dass fast alle Printkollegen, die über diese Fußball-WM berichten, einen tollen Job machen. Nur ist es leider mein Job, über die ARD und das ZDF und dieses RTL zu schreiben – aber ich sehe die Bilder, ich höre sie reden, und alles vermischt sich zu einem großen, undurchschaubarem Nichts, das mich ratlos zurücklässt.

Dienstagabend war es mal kurz anders. Da sprach im ZDF Rolf Töpperwien, der Stalker von Otto Rehhagel, mit Katrin Müller-Hohenstein, die nicht wusste, ob sie lachen oder weinen sollte. Und neben ihr stand Oliver Kahn, ohne Hemd und Krawatte. Kahn erinnerte an Dieter Nuhr, wenn der mal aus Versehen lustig ist. Fand ich gut. Und da dachte ich dann, dass es fürs Achtelfinale reichen könnte. Grad so. Matthias Kalle

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