Der Ball ist ECKIG : Messi ist eine Frau

Kluge Fragen, kluge Antworten: Der Frauenfußball stellt TV-Moderatoren vor unerwartete Herausforderungen.

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Es passierte im Deutschlandfunk. In den „Informationen am Morgen“ wurde TV-Fußballkommentator Tom Bartels interviewt. Moderator Jürgen Liminski wählte eine leicht hinterhältige Einstiegsfrage: „Wir reden jetzt über ein bisschen Fußball. Freuen Sie sich darüber, dass wir auch über Frauen reden?“ Bartels tappte in die Falle: „Sie wollen sagen, meine beiden Lieblingsthemen?“ Liminski schwieg. Bartels erkannte die Brisanz: „Nein, also sehr gern, natürlich.“ Der Knüller kam etwas später. Da formulierte Liminski: „Es heißt, Frauen hätten eine bessere räumliche Wahrnehmung. Sie benutzen beide Gehirnhälften gleichermaßen, seien deshalb auch im Spiel kreativer. Spielen wir Männer den kraftvolleren, aber dümmeren Fußball?“ Eine Frage, so abstrus, dass jede Replik nur falsch sein konnte. Doch Bartels löste die Aufgabe bravourös: Ihm sei ja bisher noch nicht aufgefallen, dass Messi eine Frau ist.

Das war eine richtige Antwort, und trotzdem irrte Bartels. Denn Messi ist bei dieser WM dabei. Er heißt Marta, spielt bei Brasilien und wird heute Australien abschießen. Die 1,62 Meter kleine Angreiferin ist die große Hoffnung des brasilianischen Teams, in ihrer Heimat nennen sie sie auch „Pelé mit Rock“. Was nicht heißt, dass Frauenfußball in Brasilien irgendeinen Stellenwert hätte. Bis 1975 war er verboten, es gibt bis heute keine Liga. Diese Ignoranz spiegeln die Medien wider. Während die Redaktionen zur WM 2006 noch kleine Reporterarmeen geschickt hatten, widmen sie dem brasilianischen Nationalteam Seleção Feminina 2011 keine Aufmerksamkeit. Mit einer Ausnahme: Marta. Der Zeitung „Folha de São Paulo“ gab die 25-Jährige Spielerin ein wütendes Interview: „Wir haben weder Investitionen, Unterstützung noch Arbeitsmöglichkeiten. Es gibt kein Interesse.“ In Brasilien, so scheint es, reden Männer auch gerne über Fußball und Frauen. Aber bitteschön nacheinander. Philipp Lichterbeck

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