Der Ball ist ECKIG : Musik ist Trumpf

Wozu auf das Ende des Spiels, die Nachspielzeit oder das Elfmeterschießen warten? Wo doch bereits die Aufstellung bei der Nationalhymne alle Antworten gibt.

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Brasilien – Portugal, nur 0:0, langweiliges Spiel. Ach Gottchen, wusste doch jeder, dass es so kommen würde. Seit es das unfehlbare Frühwarnsystem gibt, seit Donnerstag also, da kommentierte Oliver Schmidt (ZDF) Japan – Dänemark. „Mal sehen, ob es beim Abspielen der Hymnen Hinweise auf das Selbstbewusstsein der Spieler gibt“, verkündete er. Und? Keisuke Honda sang mit finsterem Blick. Ein klares Zeichen. Es kam wie es kommen musste, Honda zimmerte den Ball aus 25 Metern ins Tor. 1:0 nach 17 Minuten.

Nun also Brasilien – Portugal. Die Hymnen. Portugal im Bild, die Kamera fährt die Gesichter ab. Da, Ricardo Costa. Singt laut, aber irgendwie nicht inbrünstig; verdächtig. Der ist nicht wirklich selbstbewusst. Später leistet er sich einen groben Fehler. War ja klar. Und hier, oh je, Pepe hat wie jeder andere auch seine Arme um die Schultern seiner Nebenleute gelegt, aber er zuckt mit dem rechten Zeigefinger. Ganz schlimmes Zeichen. Pepe wird in der 64. Minute ausgewechselt. Unvermeidlich, die Entscheidung. Ronaldo nun. Ja, was ist denn das? Der singt ja kaum. Superstar? Gestern vielleicht oder morgen. Aber heute wirkt er verdammt verunsichert. Seine beste Szene: ein lächerlicher Sprint. Na bitte.

Und jetzt Brasilien. Laut schmettert die Hymne. Die Kamera zoomt zu den ersten vier Gesichtern. Keiner, wiederhole: keiner!, singt. Alles klar. Spritzig wie übermüdete Nachtportiers, die Jungs. Und Michel Bastos hat sogar die Augen geschlossen. Schläft der Kerl schon im Stehen? Wird ja immer doller. Logisch, dass die nichts zustande bringen. Da kann Carlos Dunga singen, wie er will. Der ist nur Trainer, der steht nicht auf dem Feld.

Heute werden die Deutschen singen. So grauenhaft wie Helmut Kohl und Walter Momper direkt nach dem Mauerfall vor dem Schöneberger Rathaus. Aber genauso enthusiastisch. Und dann, dann rennen sie die Engländer in Grund und Boden. Frank Bachner

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