Der Ball ist ECKIG : Ohne Stil und Schwung

Zum Start in die zweite Halbzeit ist die Fußball-WM kaum besser geworden. Matthias Kalle will wissen, wer die Schuld an dem Desaster trägt.

von

So, ich leg mich jetzt fest, Brasilien wird Weltmeister, alles andere würde schlichtweg nicht passen zu dieser Fußball-WM, die einen vor Langweile fast dazu bringt mal zu gucken, was für ein Quatsch denn gerade auf RTL 2 läuft. Das Spiel der Brasilianer passt perfekt zu der Art der TV-Übertragung dieses Turniers: Es überzeugt nicht, trotzdem schaut man es sich wieder an, weil man hofft. Aber worauf?

Vielleicht darauf, dass da in Südafrika tatsächlich großer Sport stattfindet, und nur die sogenannte „Weltregie“ es einfach nicht schafft, das auch medial zu vermitteln. Deshalb könnten ja mal Menschen, die etwas vom Fernsehmachen verstehen, die Sache übernehmen und durch Kameraführung, Schnitttechnik und was weiß ich ein bisschen Zauber in die Angelegenheit bringen. Davon würden sich dann vielleicht die deutschen Kommentatoren und Moderatoren anstecken lassen. Im Moment überzeugt nur der ARD-Mann Tom Bartels völlig, während ZDF-Mann Béla Réthy immer noch darauf wartet, das mal wieder das Bild ausfällt, damit er wie bei der vergangenen Europameisterschaft ein bisschen Radio spielen kann. Und den Zuschauern dann einen vom Pferd erzählen kann, wie toll die Brasilianer/Holländer/Argentinier doch eigentlich spielen. Nein! Die spielen nicht toll! Fernsehgucken ist nicht toll! Aber wir Medienkolumnisten, wir schauen trotzdem weiter. Nicht weil wir wissen wollen, wer gewinnt, sondern weil wir wissen wollen, wer an diesem Desaster eigentlich Schuld hat.

Bis wir das rausgefunden haben, trösten wir uns mit der vielleicht größten Fußballweisheit, die der nordirische Nationalspieler Danny Blanchflower formuliert hat: „Es ist ein großer Irrtum, dass es beim Fußball ums Gewinnen geht. Im Gegenteil: Es geht um Ruhm und darum, die Dinge mit Stil und Schwung zu erledigen. Also rauszugehen, um den anderen Haufen zu schlagen, und nicht zu warten, bis sie vor Langweile sterben.“ So wie wir vor dem Fernseher. Matthias Kalle

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben