DER BALL  ist eckig : Rap-Reime und Reporterphrasen

Die Euro für Fußball-Muffel: Die Rapper der Münchener Band Blumentopf machen sich auf die Europameisterschaft ihren ganz eigenen Reim.

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Diese EM ist einfach so an mir vorbeigezogen. Ich saß im Zug, am Schreibtisch, mit einer traurigen Freundin an der Spree, als die wichtigen Spiele liefen. Wie steige ich jetzt, kurz vor dem Halbfinale, noch ein? Erst mal motivieren lassen: „2012, Jungs schießt uns ins Glück / wir sind wie, wir sind was, wir sind fußballverrückt“, rappt die Band Blumentopf. Es waren andere Reime, die sie zu den Helden meiner Jugend machten. Vor zehn Jahren, als Hip-Hop noch „anti“ war und nicht in der ARD stattfand. Seit 2006 fassen die Münchner Rapper die Spiele der deutschen Nationalmannschaft in ein paar Zeilen zusammen. Heute sollen sie mir sagen, was ich verpasst habe.

„Hey yo der Start ist geglückt gegen die Portugiesen / lasst uns bitte einfach noch mal dieses Tor genießen.“ Tor, Gomez, scheint gut gewesen zu sein. Auch das Spiel gegen Holland hätte ich wohl sehen müssen: „Gomez mit der Drehung, guckt mal, wie der abzieht / so siehts aus, wenn einer seine Antwort auf dem Platz gibt.“ Eine Sportreporterphrase ersetzt 90 Minuten Sportreporterphrasen. „Vorsicht, van Persie, der zieht einfach vorbei / getunnelt, na merci, nur noch eins zu zwei.“ Merkwürdigerweise wirkt der Reim bei mir, ich bin mitten im Spiel.

„Stell dir vor fünf nach zehn steht es zwei zu drei / und der Neuner steht im 16er auf einmal frei“, befürchtet Blumentopf vor dem Spiel gegen Dänemark. Doch auch das gewinnt Deutschland, damit es gegen Griechenland heißt: „Der griechische Zement war noch nicht trocken / da war der Abwehrriegel von Özil auch schon durchbrochen.“ Hoffentlich hat’s auf dem Platz nicht so geholpert. Dann doch noch der Beweis, dass Lyrik und Fußball zusammengehen: „Zwei Minuten später, Klose macht ihn rein / Wahnsinn, Hammer, Abseits, Nein.“ Jetzt bin ich drin, das Halbfinale kann kommen. Julia Prosinger

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