Der Ball ist ECKIG : TV-Talente, bitte einwechseln!

Während auf dem Platz junge Männer das Fußballspiel auf ein neues Niveau bringen, stagnieren die Leistungen der Moderatoren, Kommentatoren und Experten im Fernsehen seit Jahren, der Fußball – so kann man es auch ausdrücken – entfernt sich von seinen medialen Vermittlern.

Matthias Kalle

Der Fußball bei dieser EM, dass sagen die Fußballexperten, wird so schnell und schön und offensiv sein wie noch nie – und das Eröffnungsspiel scheint das bestätigt zu haben. Die Fernsehübertragung bei dieser EM, dass sagen die Fernsehübertragungsexperten, hat die Entwicklung nicht mitgemacht, quasi verschlafen – und die Berichterstattung des gestrigen Tages hat das bestätigt. Während auf dem Platz junge Männer das Fußballspiel auf ein neues Niveau bringen, stagnieren die Leistungen der Moderatoren, Kommentatoren und Experten im Fernsehen seit Jahren, der Fußball – so kann man es auch ausdrücken – entfernt sich von seinen medialen Vermittlern. Die können das Tempo nicht mehr mitgehen. Vom ZDF-Trio Kerner/Meier/ Klopp kann das am ehesten noch Jürgen Klopp: unterhalten, informieren, analysieren, frisch, unverbraucht. Die ZDF-Kulisse in Bregenz erinnert an „Sommer-Wetten, dass…?“, ähnlich uninspiriert kommt die Moderation beim Zuschauer an. Die Schaltung zu Katrin Müller-Hohenstein vor das Stadion in Basel machte überhaupt keinen Sinn, Tiefpunkt war aber, wie zu erwarten, Michael Steinbrecher, der unglaublicherweise in den 80er Jahren als ZDF-Hoffnungsträger galt. Als der Michael Ballack interviewte und dabei steinbrechermäßig versuchte, „den Menschen“ Ballack zu zeigen, und mit ihm über seine Tränen nach dem Champions-League-Finale zu sprechen, stand kurz das Berufsbild Journalist auf der Kippe. Das Spiel Schweiz gegen Tschechien kommentierte Béla Réthy, ein verdienter Mann des ZDF. Es war schnell, spannend, intensiv, auf dem Platz standen teilweise sehr junge Spieler, die man nicht kannte und die überraschten. Talente halt. Die in der Lage sind, aus dieser EM auch für den Fernsehzuschauer ein großartiges Ereignis zu machen. Wenn doch das Fernsehen solche Talente hätte, dann müssten sie die jetzt sofort einwechseln. Matthias Kalle

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