Der Ball ist ECKIG : Welche Tröten soll man nun feuern?

05.07.2010 18:34 UhrVon Matthias Kalle

Erst wurde im Fernsehen ständig behauptet, dass die deutsche Mannschaft nur mit Ach und Krach ins Achtelfinale kommt und dann aus dem Turnier fliegt. Nun steht sie im Halbfinale - ein Beweis dafür, dass Vorhersagen oft nur zu einem Ziel führen.

Jetzt passiert doch eigentlich gerade nichts, oder? Jedenfalls kommt es uns, die wir tatenlos zusehen mussten, wie sich die deutsche Mannschaft ins Halbfinale dieser Fußball-WM spielte, so vor. Kein Match am Montag, ein bisschen Hintergrund, ansonsten scheint sich das Fernsehen auf das Spiel der deutschen Elf gegen Spanien ähnlich konzentriert vorzubereiten wie wir. Und während wir darüber nachdenken, welche Fehler wir in den vergangenen Wochen gemacht haben, wäre es interessant zu erfahren, ob es auch im Fernsehen so etwas wie Selbstkritik gibt. Denn es ist noch gar nicht so lange her, ein paar Tage vielleicht, da lobte das Fernsehen die Faustregel aus: Dieses Turnier ist das Turnier der Südamerikaner.

Die eindrucksvollsten Leistungen, die besten Teams – der Weltmeister musste von dort kommen. Jetzt ist alleine Uruguay übrig, neben Holland, Spanien, Deutschland, das alte Europa.

Ein bisschen länger ist es her, aber auch nur ein paar Wochen, da war es Gesetz, dass diese deutsche Mannschaft wahrscheinlich mit Ach und Krach ins Achtelfinale kommen könnte – und dann, dann wäre Schluss. Gibt es beim Fernsehen den einen Verantwortlichen, der dieses Gesetz damals verabschiedet hat? Und wenn ja: Wird er jetzt gefeuert?

Am Anfang des Turniers, als die Spiele langweilig und Tore selten waren, mussten die Vuvuzelas herhalten als Aufreger: jeder Kommentator, jeder Moderator, jeder Experte hatte dazu eine Meinung, meist eine schlechte. Tatsächlich spielen die Tröten keine Rolle mehr, sie sind den Menschen egal geworden.

Dienstagabend geht es also weiter und das Große am Fußball ist gleichzeitig das Große am Fernsehen: Vorhersagen führen oftmals nirgendwo hin, meistens irrt man. Die Wirklichkeit macht, was sie will. Das ist spannend, überraschend, das ist ein bisschen wie das Leben, in dem es bis jetzt noch keinen Videobeweis für strittige Szenen gibt. Matthias Kalle

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