Der Ball ist ECKIG : Wovon sollen wir träumen?

Beim "Aktuellen Sportstudio" verkrampfte das ZDF in Sachen Frauenfußball-WM. Was nicht an den Frauen, sondern an den langweiligen Männern lag.

von

Es ist, um mal gleich zu Beginn nicht den Anschein erwecken zu wollen, hier würde einer so tun als ob, es ist also weniger Interesse oder gar Begeisterung als vielmehr eine Art von beruflichem Pflichtgefühl, das mich dazu brachte, alle Interviews zu lesen, die Lira Bajramaj in den vergangenen Wochen gegeben hat. Es waren sehr viele, Bajramaj hat im Prinzip mit jedem gesprochen, vielleicht wollte sie das, vielleicht dachten einige Verantwortliche, es sei eine gute Idee, aber viele werden sich jetzt wundern, warum der „Star“ der deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen gar nicht spielt, sondern auf der Bank sitzt. Das liegt wohl daran, dass Bajramaj bei den Frauen eher das ist, was Christian Träsch bei den Männern ist. Christian wer? Genau.

Am Samstagabend im „Aktuellen Sportstudio“ sprach mal nicht Bajramaj, sondern Silvia Neid, die Bundestrainerin, und sportlich gesehen war es der Höhepunkt der Sendung – ansonsten verkrampfte das ZDF vollkommen im Umgang mit dem selbst ernannten sportlichen Großereignis: zehn Minuten Sendezeit für die Frauen-WM, danach kamen langweilige Männer, die den Frauen bitte als Negativbeispiel gelten sollen. Wie leer und uninteressant Interviews mit Motorradfahrern und Golfern sein können, wusste man vorher auch nicht, und das lag diesmal nicht an Michael Steinbrecher, was auch was heißen will. „Noch 19 Stunden“, sagte der Moderator einmal, aber es hörte sich an wie „Noch vier Wochen, dann ist auch das endlich vorbei.“ Wenn die ARD mit einem ähnlichen Elan an die WM geht wie das ZDF, dann könnte das für diese Kolumne eine ganz zähe Veranstaltung werden.

Das Beste am „Aktuellen Sportstudio“ war, wie so oft, die Musik, die deutsche Band „Frida Gold“ präsentierte den „ZDF WM Song“, er heißt „Wovon wollen wir träumen?“ Gute Frage. Wir bleiben dran und berichten weiter. Matthias Kalle

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben