Medien : Der Ball ist im Spiel

Noch sind beim Handy-TV aber viele Fragen offen

Kurt Sagatz

In Berlin war der Probelauf für das Handy-TV erfolgreich. Das Düsseldorfer Unternehmen MFD (Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH) hatte vor zwei Wochen in der Hauptstadt schon einmal ausprobiert, ob das geplante System auch unter Volllast funktioniert. „Die Bilder liefen erheblich flüssiger als beim Handy- Fernsehen über UMTS. Wir waren begeistert“, sagte MFD-Chef Henrik Rinnert dem Tagesspiegel. Davon könnte sich das breite Publikum erheblich schneller selbst ein Bild machen als bislang angenommen. Anfang der Woche hat der zuständige Fachausschuss der Landesmedienanstalten empfohlen, MFD mit dem Aufbau eines bundesweiten Systems für den TV-Empfang auf dem Handy zu beauftragen. Kommt es dazu, wollen die Düsseldorfer im Mai an den Start gehen. Bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft soll das Handy-Fernsehen dann in den acht WM-Austragungsorten laufen.

Doch die Begeisterung wird längst nicht von allen geteilt. Mitbewerber Walk’n Watch aus München, der bei der Vorentscheidung für das Handy-TV unterlag, sieht in dem Votum grundsätzliche Probleme. So seien noch längst nicht in allen der 15 Medienanstalten die nötigen Ausschreibungsverfahren abgeschlossen. Bemängelt wird zudem, dass die Empfehlung zugunsten eines Pay-TV-Konzeptes gefallen sei. Während die Münchener ihr Konzept auf einer Free-TV-Lösung aufgebaut haben, die sich über Erlöse mit interaktiven Zusatzdiensten finanzieren soll, wird von MFD ein Abomodell angestrebt.

Wie hoch die monatlichen Gebühren ausfallen, ist noch offen. MFD-Chef Rinnert will dazu keinen Kommentar abgeben. Marktbeobachter erwarten aber eine monatliche Gebühr von 7,50 Euro. Dafür soll der Kunde den zeitlich unbeschränkten Zugriff auf vier Fernseh- und zwei Radio-Kanäle erhalten. Mit dabei: Ein Nachrichtenprogramm von N24, ein Commedy-Channel von Pro7 Sat 1 sowie ein Musik- und Entertainment-Kanal von MTV. Hinzu kommen Einspielungen vom ZDF, die nicht zu den kostenpflichtigen Angeboten gezählt werden. Für das Radioprogramm existiert bislang ein Vertrag mit BigFM2See.

Doch der Münchener MFD-Konkurrent ist nicht der einzige Kritiker der Handy-TV-Vorentscheidung. Auch der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) befürchtet, dass derzeit zu stark aufs Tempo gedrückt wird. Man habe nichts gegen MFD, aber es gehe um medienpolitische Grundsatzfragen. „Hier werden Fakten geschaffen, die sich nicht mehr korrigieren lassen“, erklärt VPRT-Präsident Jürgen Doetz. Die Fragen sind: Können einem Plattformbetreiber überhaupt Frequenzen zugewiesen werden? Offen ist auch, welche (öffentlich-rechtlichen) Programme in jedem Fall transportiert werden müssten. „Ein künstlich erzeugter Zeitdruck sollte nicht zu einer irreversiblen Schieflage im Marktgefüge zwischen Rundfunk- und Telekommunikationsanbietern führen“, warnt der Verband.

Für den Fachausschuss der Landesmedienanstalten ist es nach den Worten von Reinhold Albert, Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, wichtig, dass das Votum für MFD keine Systementscheidung beinhaltet. Derzeit konkurrieren zwei verschiedene Technologien um den Einzug aufs Handy-Display. Die empfohlene MFD-Lösung setzt auf die so genannte DMB-Technik, die auf dem bereits eingeführten Digital Audio Broadcasting basiert. Die nötigen Frequenzen dafür stehen bereits zur Verfügung. Allerdings lassen sich mit DMB nur vier TV-Programme transportieren. Mit DVB-H (einem Ableger des digitalen Antennenfernsehens DVB-T) lassen sich über zwanzig Programme übermitteln.

Langfristig könnte es ohnehin auf eine Kombination beider Techniken hinauslaufen. Die DMB-Technik könnte dabei seine Vorzüge auf dem flachen Land ausspielen, die Vorteile der DVB-H-Technik liegen hingegen eher in Ballungszentren.

Noch sind jedoch viele Fragen ungeklärt. Es fehlt an den abschließenden Voten einiger Landesmedienanstalten. Noch hat T-Systems, das für MFD die Sendetechnik aufbauen und betreiben soll, keine Zulassung durch die Bundesnetzagentur. Zudem fehlt es an Verträgen mit den Mobilfunkbetreibern, nur mit dem Reseller Debitel hat MFD bislang einen Vertrag. Und nicht zuletzt müssen noch geeignete Endgeräte auf den Handy-TV-Mark gebracht werden. Bis zur Fußball-WM sind es nur noch wenig mehr als hundert Tage – viel Arbeit also für mobiles Fernsehen in Deutschland.

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