Der brave Kriminaler geht : Stubbes Abschiedstour

Wolfgang Stumph schickt den ZDF-Kommissar bald in den Ruhestand – eine richtige Entscheidung.

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Noch drei Mal: Kommissar Stubbe (Wolfgang Stumph, v., mit Veit Stübner).Foto: ZDF
Noch drei Mal: Kommissar Stubbe (Wolfgang Stumph, v., mit Veit Stübner).Foto: ZDFFoto: Manju Sahwney

Kommissar Stubbe, sagt Wolfgang Stumph, sei kein Schimanski-Typ. Wohl wahr. Aber Stumph meint damit nicht so sehr, dass dieser sächsische Ausreißer, den es die Elbe stromabwärts nach Hamburg getrieben hat, im Gegensatz zu dem Proleten aus Duisburg ein ausgesprochen höflicher Mensch ist, dem selten die Zunge und niemals die Hand ausrutscht. Vielmehr geht es um den richtigen Zeitpunkt, abzutreten. Und da will Wolfgang Stumph, der am 31. Januar 2011 selbst 65 Jahre alt wird, „das Pferd nicht tottreten“, wie er sagt. Das ist durchaus logisch: Der Stubbe ist ja ein braver Mann – und keiner, der, wie Schimanski, die Grenzen einfach so überschreitet, und sei es die Pensionsgrenze eines Beamten. Oder der sich einfach neu erfinden könnte und als Rentner-Detektiv seine ehemaligen Polizeikollegen nervt. Stumph ist uneitel genug, das zu erkennen. Er erfand den Kommissar vor 15 Jahren zusammen mit Regisseur Peter Kahane, nun schickt er ihn höchstpersönlich in den Ruhestand. „Die 50. Folge wird in drei Jahren gesendet, dann ziehe ich mich zurück“, sagt er.

Das ist eine richtige Entscheidung. Fünf Jahre nach der Vereinigung aus der Taufe gehoben, sollte die Krimireihe um den Dresdner Stubbe und seinen Hamburger Kollegen Bernd Zimmermann (Lutz Mackensy) die Probleme beim Zusammenwachsen beider deutschen Staaten spiegeln. Und auch ein bisschen integrierend wirken. Doch der Zusammenprall des DDR-geprägten Ossis und des konservativen Wessis liefert nur noch wenig dramatisches Futter. Stattdessen ist „Stubbe – Von Fall zu Fall“ zu einer ziemlich biederen Familienserie mit sozialkritischem Touch geworden. Stumph, der sich für seine Figur noch mal eine Partnerin wünscht, mischt da kräftig mit. Was ihm an Themen auf dem Herzen liegt, wird meistens auch irgendwann gedreht. In Stubbes nächstem Fall, dem ersten von drei neuen im Dezember und Januar, geht es um den Preis für Geheimnisverrat: Ausgrenzung, Einsamkeit und sogar Lebensgefahr. Klingt ein bisschen wie der Film zu den Wikileaks-Enthüllungen, doch das wäre arg weit hergeholt.

Bibiana Beglau spielt eine Krankenschwester, die einen Skandal an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz aufdecken will und dabei immer mehr ins Abseits gerät. Auch weil sie selbst verbissen und eigenbrötlerisch ist. Warum sie außerdem als Frau dargestellt wird, die dem religiösen Wahn nahe ist, erschließt sich nicht ganz. Dennoch hat der Film von Peter Kahane (Buch und Regie) dank dieser Figur einige starke Szenen, ansonsten aber hakt es gewaltig. Die Geschichte um Wettmanipulationen im Fußball sind ein leicht durchschaubares Ablenkungsmanöver. Und der Nebenstrang um Stubbes Tochter Christiane (Stephanie Stumph), die sich als Zeitungsreporterin versucht und von ihren Vorgesetzten getriezt wird, soll gleich zwei wichtige Anliegen zusammenbringen: die kritische Darstellung von Mobbing und sensationslüsternen Medien. Leider geschieht dies mit dem Holzhammer, mit Figuren und Dialogen aus purem Klischee.

So gerne man dem knuffigen Sachsen Stumph zusieht, den Peter Kahane als „Volksschauspieler“ bezeichnet, und so sehr man seinem Stubbe das mitfühlende Engagement abnimmt: Was den Anspruch angeht, relevante Themen im Krimi spannend und realitätsnah zu erzählen, sind andere weiter. Auch beim ZDF, das mit der Korruptionsreihe „Unter Verdacht“ oder der „Nachtschicht“-Reihe Maßstäbe setzt. Dennoch wird der Sachse in Norddeutschland dem ZDF noch viel Freude machen. „Stubbe“ ist laut Redakteur Thorsten Ritsch der verlässlichste unter den Samstagskrimis, die selten über sieben Millionen Zuschauer haben. „Stubbe schafft das jedes Jahr“, sagt Ritsch. Thomas Gehringer

„Stubbe – Verräter“, ZDF, 20 Uhr 15

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