Medien : Der deutsche Trump

Reiner Calmund wird Showmoderator bei RTL

Claus Vetter

Reiner Calmund bewegt sich Richtung Podium. Schwergewichtig und schwitzend. Seine jenseits der 100-Kilo-Marke liegende Leibesfülle lässt sich eben nicht ohne Reibungsverluste transportieren. Und natürlich, ohne einen lockeren Spruch geht es bei dem 55-jährigen Ex-Fußball-Manager nicht. „Dann wollen wir mal“, sagt er auf dem Weg zum Mikrofon. Calmund hat etwas zu erzählen, im 30. Stock des Kölnturms, im Kölner Medienpark. Der eloquente Rheinländer ist am richtigen Ort, schließlich ist er Medienprofi. Das hat er in 27 Jahren als Manager beim Bundesliga-Klub Bayer 04 Leverkusen bewiesen. Dort haben sich die Leute mindestens genauso für seine Sprüche interessiert wie für die Spielergebnisse seines Klubs. Jetzt wechselt Calmund die Bühne, er geht als Showmaster zu RTL.

Calmund ist der „Big Boss“. Ab Herbst wird RTL wöchentlich zur besten Sendezeit elf 48-minütige, aufgezeichnete Folgen eines Formats ausstrahlen, dass es in den USA schon gab. Dort hieß die Sendung „The Apprentice“, zu deutsch „die Lehrlinge“. Moderator war Wirtschaftstycoon Donald Trump. Der deutsche Trump soll Calmund heißen. Zwölf Jungunternehmer treten in zwei Teams gegeneinander an, bekommen von Calmund verschiedene Aufgaben gestellt, und der „Big Boss“ bestimmt dann einmal pro Folge denjenigen, der die Aufgaben am schlechtesten erfüllt hat und ausscheiden muss. Am Ende bleibt dann laut Calmund „der absolute Macher“ übrig. Der bekommt wahlweise 250000 Euro zur eigenen Existenzgründung oder einen „Topjob in der Wirtschaft“.

Calmunds Augen glänzen, als er von der neuen Aufgabe erzählt, seine Arme rudern. Zwölf Wochen Pause habe er gehabt seit dem Abschied von Bayer Leverkusen. Fußball, das war einmal. „Ende, aus, Nikolaus.“ Und dann quetscht er sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger: „Aber ich wollte keine Rosen züchten. Das ist Hausarbeit, fällt in den Bereich meiner Frau.“ Wirtschaft und vor allem Witz ist dagegen wohl Männersache, will man RTL-Unterhaltungschef Tom Senger glauben. „Wir wollen kein reines Wirtschaftsmagazin, sondern Unterhaltung. Dafür steht Calmund.“ Zudem sei Calmund studierter Betriebswirt. Und vor allem ist er selbstüberzeugt: „Nach zehn Minuten habe ich mich mit RTL geeinigt. Das Konzept hat mich überzeugt. Das hat was von Aufbruchstimmung.“ Das wird sich zeigen, hat das Format doch auch elf Verlierer. „Locker flockig und trotzdem hart und herzlich“ will Calmund sich durchschlängeln. Außerdem muss er sich gegen „Hire or fire“ behaupten, ein ähnliches Format, das Ende September bei ProSieben startet. Bei der Präsentation von RTL wirkt Calmund eher angespannt: Manche seiner Witze sind nicht neu, vieles liest er vom Blatt ab. Was soll’s, schien er sich zu sagen. Wenn es auf der neuen Bühne nicht klappt, dann bleibt ja noch der Rückzug auf die Tribünen der Fußball-Bundesliga.

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