Medien : Der „Entlastungs-Nazi“

Heinrich Breloer will den wahren Albert Speer zeigen

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Tobias Moretti als Hitler, Sebastian Koch als Hitlers Architekt und Rüstungsminister Albert Speer: Ein „realistisches Bild“ Speers will Heinrich Breloer in seinem neuen ARDDoku-Drama „Speer und Er“ vermitteln. „Wir alle schauen auf das Dritte Reich, ob wir es wollen oder nicht, durch die Brille Albert Speers“, sagte Breloer am Montag in Köln zum Abschluss der Dreharbeiten. In seinen Büchern habe Speer als „Entlastungs-Nazi“ eine Kunstfigur von sich entworfen. „Speer und Er“ ist der erste deutsche Film, der Speers Aufstieg, seine Verurteilung als Kriegsverbrecher und seine Karriere als Bestseller-Autor zeigt. Breloer geht es darum, das Bild zurechtzurücken, das Speer von sich entwarf. Die Arbeit sei hoch aktuell: „Die Bundesrepublik lebt immer noch mit diesem Keller voller Leichen. Das Gespenst Hitler geht immer noch um“, sagte Breloer.

Früher hätte der Film in dieser Form nicht entstehen können, sagte Breloer. Denn in der typischen „offenen Form“, die das Markenzeichen Breloers und seines Ko-Autors Horst Königstein ist, sind nicht nur die Spielszenen mit den Schauspielern zu sehen. Auch Interviews mit Albert Speer und weiteren Zeitzeugen sowie Originalaufnahmen aus dem Dritten Reich werden in den Film eingewoben. Speers Kinder hätten den Abstand der Jahrzehnte gebraucht, bevor sie ihm im Interview Auskunft gaben, sagte Breloer.

Die Pressekonferenz zum Ende der Dreharbeiten fand in einer gespenstischen Kulisse statt: Filmarchitekt Götz Weidner („Das Boot“) hatte in den WDR-Studios in Köln Hitlers Büro in der Reichskanzlei nachbauen lassen. Fotos von rotem Marmor wurden auf Spanplatten gedruckt – erst bei Berührung wurde klar, dass das kein Stein war. Die Präzision beim Nachbau von Reichskanzlei und Berghof, Nürnberger Gericht und Spandauer Gefängnis war nötig, weil Spielszenen und Originalaufnahmen im Dreiteiler aneinander geschnitten werden. Die Originaltreue sei aber kein Selbstzweck, sagte Breloers Kameramann Gernot Roll. „Wir haben versucht, Bilder zu machen, die Interesse wecken.“ Der Dreiteiler „Speer und Er“ läuft im nächsten Frühjahr im Ersten. dpa/jbh

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