Medien : Der ewige Intendant

Pleitgen soll Pleitgen erneut als WDR-Chef folgen

Bernd Gäbler

Der WDR ist so etwas wie die USA der ARD. Größte und mächtigste Anstalt, souverän vom amtierenden Intendanten Fritz Pleitgen regiert. Seit Juli ist der WDR-Chef sogar EBU-Präsident, also als höchster Repräsentant des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Europa erst recht unanfechtbar.

Mit deutlichem Seitenblick auf das ZDF bekundet Pleitgen nun, er wolle eine „Politisierung“ der nächsten Intendantenwahl verhindern. Dabei ist er alles, nur nicht naiv. Er weiß, dass im 43-köpfigen Rundfunkrat zwar gesellschaftlich relevante Gruppen vertreten sind, dieses Gremium im inzwischen schwarz-gelb regierten Nordrhein-Westfalen aber eines der letzten Biotope klarer sozialdemokratischer Mehrheiten ist. Heute wird es tagen und sich über die Causa „Intendantenwahl“ beugen. Gestern schon hat ein mehrheitlich gleich gefärbter „Wahlvorbereitungsausschuss“ beim Intendanten persönlich sondiert.

Pleitgens zweite sechsjährige Amtszeit endet am 30. Juni 2007. Dennoch kann es mit der Nachfolge schnell gehen. Vielleicht dauert es aber auch noch ein wenig. Auf jeden Fall aber läuft alles darauf hinaus, dass jene Lösung eintritt, die Pleitgen selber ohnehin für die beste Variante hält: gnädig tritt er sein eigenes Erbe an.

Im Mai hatten CDU-Mitglieder den Rundfunkrat überreden wollen, zügig eine Neuwahl Pleitgens in die Wege zu leiten. Der grüne Stimmführer war nicht abgeneigt. Die Sozialdemokraten mussten jäh über einen Parteifreund befinden, denn der mittlerweile 68-jährige, erfahrene Journalist Fritz Pleitgen ist Mitglied der SPD.

Die allerdings bockte. Lebhaft erinnerte sie sich an das gespannte Verhältnis des Intendanten zu ihrem früheren Vormann Peer Steinbrück, der es gewagt hatte, öffentlich-rechtliche Expansionsgewohnheiten infrage zu stellen, während CDU-Chef Jürgen Rüttgers antiquierte Konfrontationen zum ehedem als „Rotfunk“ gescholtenen Landessender längst eingemottet hatte. Die CDU weiß, dass sie – solange nicht die Gremienzusammensetzung per novelliertem WDR-Gesetz verändert ist – keinen anderen Kandidaten durchbringen kann. Die SPD weiß, dass jeder andere Kandidat zu einer Spaltung des Rundfunkrats führen würde. Dennoch ringt sie ein wenig mit sich selbst.

Junge SPD-Karrieristen, die sich plötzlich in einer Minderheitenpartei gelandet sehen, wagen Freches Richtung Pleitgen. Er nennt sie „Mini-Politiker“, denn die routinierten Strippenzieher sinnen auf Kompensationen für ihre Zustimmung. Insbesondere soll die bald neu zu regelnde Leitung des für die Landespolitik zentralen Düsseldorfer Büros nicht auch noch unionsnahe Beute werden. Und sie fürchten, einmal gewählt, wolle Pleitgen womöglich gar nicht den Rest seiner Zeit bis zum 75. Lebensjahr im obersten WDR-Stockwerk in Köln verbringen, sondern könne am Ende eine Art Übergangskandidat sein zu einem dann realisierbaren „Schwarzfunk“.

Der dementiert. Ruhig wie ein Fels in aufschäumender See thront der Amtsinhaber über allem Kleinmut. Er will nicht kandidieren, erst recht nicht zu einer konkurrierenden Wahl antreten. Falls der Rundfunkrat aber keinen geeigneten Kandidaten finde, dürfe dieser ihn huldigend bitten, sein Amt weiterzuführen. Noch sind einige Sozialdemokraten zu bockbeinig, das Knie zu beugen.

Pleitgen selbst hat derweil noch einmal eine Interview-Serie abgeworfen, in der er sich in kurfürstlicher Bescheidenheit als inkarnierte Trinitas von Amt (Intendanz), Institution (WDR) und Land (Nordrhein-Westfalen) inszeniert. Da kann keiner gegen an. Und er tut den Teufel, etwas zur tatsächlichen Länge einer etwaigen dritten Amtszeit zu sagen.

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