Medien : Der Feind in deinem Bauch

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Wenn aus dem allergrößten Glück urplötzlich ein Albtraum wird: Hanna Schreier (Johanna Klante), 23 Jahre jung, Architekturstudentin, Tochter einer ehemaligen DDR-Spitzenathletin und glücklich verheiratet mit dem Juristen Georg (Heikko Deutschmann), Hanna also ist schwanger.

Geplant war’s nicht, aber schön ist’s trotzdem. Denkt Hanna. Nur: Georgs Vater Manfred (Hans Peter Hallwachs) scheint das weniger zu freuen, er bittet Hanna abzutreiben. Hanna ist schockiert. Doch Georgs Vater befürchtet, dass Hanna ein missgebildetes Kind bekommen könnte, das IOC-Mitglied weiß, wie viel in DDR-Zeiten gedopt wurde. Und er kannte Hannas Mutter, eine bekannte Eisschnellläuferin. Zudem ist er Lobbyist eines Pharmaunternehmens, das die Legalisierung des kontrollierten Dopings anstrebt. Ein behindertes Kind käme dem Juristen Dr. Manfred Schreier da äußerst ungelegen. Es muss gehandelt werden, und als Hanna nach langer Zeit ihre Mutter (Renate Krößner) und ihren behinderten Bruder wieder besucht, da befindet sie sich bereits in Lebensgefahr …

Nein, „Hannas Baby“ (Arte, 20 Uhr 40) ist nicht wirklich das deutsche Fernseh-Pendant zu Roman Polanskis damaligem Schocker „Rosemaries Baby“, so weit sollte man besser nicht gehen. Aber Diethard Klante, Regisseur von inzwischen über 40 Fernsehfilmen („Die Rache der Carola Waas“), versteht es, gleich mit mehreren Genres zu spielen und dabei keines allzu übertrieben auszureizen.

Klantes Drama ist Psycho-Thriller, Polit- Film (DDR und Doping) und irgendwie auch ein Liebesfilm: Geht es doch um die Mutterliebe Hannas zu ihrem Ungeborenen und den Kampf um dessen Leben; geht es auch um die auf eine harte Probe gestellte Liebe zwischen Hanna und Georg. Und natürlich mag das DDR-Doping mit all seinen Spätfolgen ein Anliegen des Regisseurs und Autors Klante sein, in einer Vielzahl von Dialogen lässt er seine Figuren darüber debattieren.

Die Thriller-Momente gewinnen die Oberhand, da wird Hanna von einem Fiesling durch Wälder verfolgt, auf dunklen Dachböden bedroht und kann selbst ihrem eigenen Ehemann nicht mehr trauen, der von seines Vaters Plänen längst schon gewusst zu haben scheint. Einmal steht Hanna mit einem riesigen Küchenmesser im Raum und hält es hoch. Und mit ihren kurzen Haaren sieht Hanna Schreier in diesem Moment wie Mia Farrow aus. Also doch ein klein bisschen Polanski. Thilo Wydra

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