Medien : Der Fernseh-Beweis

Aufklärung statt Quote: Sportsendungen nach Hoyzer

Markus Ehrenberg

Den schönsten Satz fand Reinhold Beckmann, zum Ende der Samstags-„Sportschau“. „Ich hoffe nicht, dass wir jetzt sagen müssen: Das sind die Bundesliga-Ergebnisse – ohne Gewähr.“ Mit Gewähr auf jeden Fall: die Qualität der Berichterstattung der großen Fernseh-Sportsendungen am ersten Bundesliga-Spieltag nach Hoyzer, dem Skandal um manipulierte Fußballspiele. Mit der puren Berichterstattung über diese Spiele machen „Sportschau“, „Sportstudio“ und Deutsches Sport Fernsehen (DSF) Woche für Woche gute Quote. Nur, was ist, wenn es gar nicht mehr nur um aktuelle Tore und Ergebnisse geht?

Vorweg gesagt: Moderatoren und Kommentatoren fanden überwiegend den richtigen Ton zwischen Panikmache, Vorverdacht und Aufklärung. Haben wir das Ausmaß des Skandals noch unterschätzt, wie es der „B.Z.“-Reporter im DSF-Magazin „Doppelpass“ in den Raum stellte? Betreiben gewisse Medien nicht auch eine Art Hetzjagd auf Spieler, wie es Hertha-Manager Dieter Hoeneß in der „Sportschau“ beklagte? Oder sitzen die wahren Schuldigen in den Wettbüros von Oddset und betandwin.de, weil deren unübersichtliche Wettarten Manipulationen Vorschub leisten, wie es DFB-Präsident Theo Zwanziger im „Sportstudio“ meinte? Fragen über Fragen. Auch wer sich nicht für Fußball interessiert, saß gebannt vorm Fernseher. Beispielsweise im ZDF-„Sportstudio“: Lange war es nicht mehr so aktuell und hintergründig. 45 Minuten Schiri-Debatte, 30 Minuten Spiele. Die Gefühle der Schiedsrichter, für und wider Fernseh-Beweis, der vermehrte Blick auf strittige Entscheidungen des Spieltages, vor allem ein Streitgespräch mit den beiden großen Wettanbietern – nur Schmuse- Moderator Michael Steinbrecher hakte nicht richtig nach, blieb zahm bis zuletzt.

Also keine Wiedergeburt des „Sportstudio“ aus dem Geiste des Bundesliga- Skandals. Was gäbe man an solchen Tagen für einen kritischen Sportmoderator, einen Harry Valerien. Noch sind es vor allem die Printmedien, die die Aufklärung vorantreiben, manchmal auch etwas zu schnell.

Das Fernsehen, dessen Stärken im Spiel, im Entertainment, sprich im Tore-Zeigen liegen, beleuchtet, diskutiert, sucht seine Vermittlerrolle, ist auch ein bisschen fassungslos. Was hat man da jahrelang übertragen? Wie glaubhaft war das? Wie real? Diese Fragen haben auch die „Doppelpass“-Experten-Runde am Sonntagmorgen aufgeladen – übrigens ohne Wettspiel-Angebot, mit dem sich der Privatsender den einen oder anderen Euro dazu verdient. Obwohl: Erst hinterfragte ein Journalist Live-Wettangebote von betandwin.de. Dann brachte das DSF Werbung. Von betandwin.de.

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