Medien : DER FERNSEH Tipp

Barbara Sichtermann

„21 Liebesbriefe“ – ZDF, 20 Uhr 15. Die Ausgangsidee ist Klasse: Kellnerin Franziska (Katja Flint) erhält über eine Kontaktadresse die Anschrift eines gewissen Herrn Stiller. Sie schreibt ihm. Er antwortet. Es werden 21 Liebesbriefe, die sie sorgsam verwahrt. Und nun soll aus der virtuellen eine echte Liebschaft werden. Das Rendezvous ist terminiert. Franziska macht sich schön und geht hin. Sie wartet vergebens. Bald darauf erfährt sie, warum. Stiller ist tot, erschossen. Er heißt gar nicht Stiller, sondern Haugk. Auf einmal steckt Franziska mitten in einem Krimi. Als sie zur Polizei geht – sie will wissen, was passiert ist, sie will ihre Briefe zurück – wird sie sofort gefragt: Wo waren sie am soundsovielten zwischen soundsoviel und soundsoviel Uhr? Sie ist alles zugleich: Trauernde, Verdächtige und – Detektivin. Die Polizei verhält sich seltsam. Franziska erkennt: Nichts ist, wie es scheint. Sie muss selbst ermitteln, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Aber auch, um aus der Schusslinie zu geraten. Natürlich gerät sie erst recht hinein, denn es gibt einen echten Herrn Stiller (Harald Schrott), der mit Haugk befreundet war…

Die ästhetischen Mittel des Films sind dem fast surreal verrätselten Stoff ideal angepasst. Die Kamera von Benedict Neuenfels wählt kühle konstrastreiche Motive aus – Landschaft bei München im Winter, Straßen und Höfe in München zur Nacht, Innenräume von strenger Modellhaftigkeit.

Dennoch wirkt nichts modisch, ist alles als optische Orientierung und lyrische Bebilderung passgenau in die Geschichte gefügt. Die Regie von Nina Grosse sorgt dafür, dass sich die Atmosphäre der Bedrohung und der Sehnsucht nach Klarheit auf den Zuschauer überträgt. Verschlossene Gesichter, in denen versäumte Geständnisse zwischen Augen- und Mundwinkeln zucken, hektische Flucht- und Suchbewegungen, das alles arrangiert sie mit großem Geschick. Allerdings bleibt die Lösung unbefriedigend.

Es ist wie beim Poker, wenn es heißt: „Sehen lassen“, und dann muss noch ein As aus dem Ärmel her. Macht nichts. Die Schlussszene und die voraufgegangenen Anleihen bei „Eyes wide shut“ legen ohnehin eine Deutung nahe, bei der es nicht so genau darauf ankommt: dass alles nur ein Alptraum war.

0 Kommentare

Neuester Kommentar