Medien : DER FERNSEH Tipp

Thomas Gehringer

„Die Story: Greenpeace gegen Shell“ – WDR, Doku, 22 Uhr 30. Die Aktionen waren für die Medien 1995 ein Fest der Bilder: Im ersten Akt enterten Greenpeace-Haudegen um Kapitän Jon Castle die ausgediente Ölplattform „Brent Spar“ in der Nordsee, entdeckten Öl-Rückstände im Innern und wurden wieder von der „Brent Spar“ geworfen. „Wir hätten gar nichts machen sollen“, sagt Heinz Rothermund, damals Chef der britischen Shell. „Dadurch haben wir viele Bilder kreiert.“ Sechs Wochen später kehrte Castle auf einer geliehenen Yacht zurück, mit 16 Kamerateams im Schlepptau. Wieder gab es tolle Geschichten vom modernen Kampf David gegen Goliath. Shell ignorierte den Beschluss der EU-Umweltminister, „Brent Spar“ dürfe nicht versenkt werden, und schoss vor den Augen der Weltöffentlichkeit mit Wasserkanonen auf Greenpeace-Leute. Ein Sturm der Entrüstung brach los, Shell-Tankstellen wurden boykottiert, FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle sprach in die Kameras, er habe angewiesen, die Dienstfahrzeuge seiner Partei nicht mehr bei Shell zu betanken.

Shell war das Desaster eine Lehre. Es „steht als Symbol dafür, dass sich die Mentalität der Industrie ändern musste“, sagt Heinz Rothermund heute. Lässig sitzt der Ex-Shell-Manager auf der Couch, gibt sich einsichtig. Nicht dass „Brent Spar“ ein Umweltproblem gewesen sei, die Konzerne mussten lernen, „dass die Öffentlichkeit etwas zu sagen hat“. Am Ende tritt ein Shell-Sprecher auf, beteuert, der Konzern habe sich „deutlich gewandelt“, er investiere in Erdgas, Sonnen- und Windkraft. Dem geht der „story“-Film ebenso wenig nach wie der Kritik von Jon Castle, Greenpeace sei ein Haufen „mit vielen Karrieristen und verwässerten Werten“. Die Frage, ob sich das Umweltbewusstsein durch „Brent Spar“ geändert hat, kann der Film nicht beantworten.

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