Medien : DER FERNSEH Tipp

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Demokratie auf Afghanisch . Arte, 22 Uhr 30. Noch ein Wahlkampf, noch eine Parlamentswahl am 18. September, aber unter ganz anderen Vorzeichen: In Afghanistan, einem zerrissenen, über 20 Jahre unter Krieg und Gewaltherrschaft leidenden islamischen Land soll eine Demokratie entstehen. Ob Afghanistan eine friedliche Blütezeit erleben wird, kann die Dokumentation nicht beantworten. Aber die Autoren Tamara Gould und Jon Shenk haben die erste Phase, die Einberufung und die Arbeit der verfassunggebenden Versammlung, der Loya Jirga, im Jahr 2003 beobachtet. Der Film bietet keine politische Analyse: Gould und Shenk begleiten Afghanen, die sich für ihr Land engagieren. Die Kamera bleibt ein geduldiger Zeuge, erläuternde Kommentare sind rar. Doch der Wille zum Aufbruch in eine neue Zeit spricht für sich.

Zum Beispiel bei Nadira Kharuchi, Lehrerin, Mutter von sieben Kindern und Mitglied einer islamischen Partei. Ein praktisches Problem steht im Vordergrund: Ihr Dorf ist ohne Stromversorgung. Beharrlich kämpft sie beim Minister um Unterstützung, schwatzt ihm einen Transformator ab. Bei den Delegiertenwahlen zur Loya Jirga scheitert sie zwar, aber für ihr Dorf setzt sie sich weiter ein. In Herat wird dagegen Rafiq Shahir, ein besonnener Mann, gewählt. „Auch nachdem ein Brand gelöscht wurde, ist die Erde noch heiß. Wir brauchen Zeit“, sagt er.

Am 18. September stehen die ersten Parlamentswahlen an. Die Anschläge nehmen zu, mehrere Kandidaten und Wahlhelfer sind ermordet worden. tgr

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