Medien : DER FERNSEH Tipp

Thomas Gehringer

„Sie hat sich benommen wie eine Deutsche“, „story“-Reportage von Gert Monheim, WDR 22 Uhr 30, ARD (15. 10.) 0 Uhr. Ein Mord aus Gründen der Familienehre? Begangen von den eigenen Brüdern? „Ich schwöre beim Heiligen Buch, dass es so etwas nicht gibt“, sagt Kerem Sürücü, der Vater. Er sagt es immer wieder, als genüge dieser Schwur als Schutz vor allen bösen Vorwürfen. Die Berliner Staatsanwaltschaft sieht das anders: Am Mittwoch beginnt vor dem Landgericht der Prozess gegen drei seiner Söhne, die sich zur Ermordung ihrer Schwester Hatun-Aymur verabredet haben sollen. Die 23-jährige eingebürgerte Deutsche, Mutter eines fünfjährigen Sohnes, wurde am 7. Februar 2005 an einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof durch drei Kopfschüsse von einem Unbekannten getötet.

Grimme-Preisträger Gert Monheim greift den Fall in einer „story“-Reportage auf. Dabei bewegt er sich so kurz vor Prozessbeginn auf einem schmalen Grat: Bis zu einer Verurteilung gilt für die Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch es geht hier nur vordergründig um eine Tätersuche. Monheim forscht nach den Einstellungen einer streng religiösen Familie, die bereits in zweiter Generation in Deutschland lebt. Allerdings hält die „Parallelgesellschaft“ dicht, vielleicht weil der Fall schon für einiges Aufsehen gesorgt hat: Die junge Frau habe den Tod verdient, weil sie sich wie eine Deutsche benommen habe – diese Einstellung, die junge Berliner Türken nach dem Mord äußerten, möchte vor der Kamera niemand wiederholen. Monheim schaffte es, den Vater und einen anderen Bruder zu Interviews zu bewegen. Und er schildert das Leben von Hatun-Aymur.

Weltweit, schätzen die Vereinten Nationen, werden jährlich 5000 Frauen und Mädchen Opfer so genannter Ehrenmorde. Ob der Tod Hatun-Aymur Sürücü dazuzurechnen ist, muss das Landgericht Berlin klären.

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