Medien : DER FERNSEH Tipp

Kurt Sagatz

Wer hat meine Daten, ARD, von Erich Schütz, Mittwoch 0 Uhr 50. Videokameras sind allgegenwärtig. Rund eine halbe Million davon sind zur Überwachung installiert – um die Sicherheit zu gewährleisten, wie es allenthalben heißt. Beliebig lassen sie sich über Plätze schwenken, auf Wunsch zoomen sie jedes Gesicht bildschirmfüllend heran. Das Gesicht, das die ARD-Zuschauern an diesem Mittwoch zu sehen bekommen, zeigt Erich Schütz. Der freie SWR-Autor hat in seiner Reportage „Wer hat meine Daten?“ herauszufinden versucht, in welchen Datenbanken ein ganz normaler Bürger gespeichert ist. Wo man wohnt, wie viel man verdient, was man isst, und welchen Kreditantrag man besser gar nicht erst stellen sollte – es gibt keinen Lebensbereich, der nicht erfasst wird.

Schütz stellt einfache Fragen, denn die Antworten sind kompliziert genug. Wie kommt es, dass die Werbepost, die täglich in seinem Briefkasten gelangt, auf ihn persönlich zugeschnitten ist? Der Butterfahrt-Veranstalter will dazu nichts sagen, wirft Schütz und sein Filmteam aus der Dorfgaststätte. Doch woher hat der Reiseanbieter überhaupt seine Adressdaten? Eine große Datensammelfirma wirbt damit, ihren Kunden über 50 Millionen Adressdaten mit 19 Milliarden Zusatzinformationen liefern zu können. Doch an der Haustür der Firma endet die Offenheit. Mit barschen Worten wird der Reporter gehindert, das Gebäude zu filmen.

Überhaupt: Die Datensammler und Datenspekulanten lassen sich ungern in die Karten schauen. Und wenn doch, dann fallen die Angaben mager aus. Zwar darf Schütz bei der Schufa seine persönlichen Daten einsehen. Ihm wird erklärt, warum das Scoring ein für die Banken unerlässliches Werkzeug zur Einschätzung seiner Kreditwürdigkeit ist. Doch warum nach wie vor zwei Girokonten von ihm in der Schufa-Liste stehen, die längst nicht mehr existieren, das kann man ihm nicht sagen.

Die Liste der Datensammler wird immer länger, daran gibt es keinen Zweifel. Auch der Handel hat großes Interesse, die Vorlieben der Kunden näher kennen zu lernen. Und die Kunden machen gerne mit. Kaum eine Firma, die nicht mit Kundenkarten wie Payback und Happy Diggets die Kaufgewohnheiten ermittelt. In Zukunft werden Funketiketten in so gut wieder jeder Ware zu erkennen geben, welche Krawatten man mag und wo man sie am liebsten einkauft. Hinzu kommt das Interesse des Staates an möglichst umfassenden Informationen. Videoüberwachung, biometrische Personenerkennung am Flughafen, Rasterfahndung. Nach drei Monaten gab das Team von Erich Schütz auf: „Es ist längst nicht mehr möglich, alle Datenbanken aufzuspüren, in denen die eigenen Daten gespeichert werden“, geben sich die Reporter geschlagen.

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