Medien : DER FERNSEH Tipp

Thilo Wydra

Eine Affäre mit Johannes Mario Simmel. Arte, 22 Uhr 20. Er selbst wollte nicht vor die Kameras treten. Nicht mehr, das ginge nicht. Zu alt sei er mit seinen über 80 Jahren, außerdem rieten ihm die Ärzte ab, und überhaupt, alles sei gesagt. Trotz der Absage des Bestsellerautors entschied sich Julia Benkert, Simmel in einer einstündigen Doku nachzugehen, seinem Leben, seinem Schreiben. Ein Film über Simmel, nicht mit Simmel. Ein Film ohne Hauptdarsteller, und doch ist er in jedem Bild präsent, entweder im Archivmaterial, das ihn in den Hotels dieser Welt zeigt, oder aber in den Erzählungen seiner Schwester und einiger seiner Freunde wie Iris Berben, Elke Heidenreich, Joachim Kaiser. Und manchmal, wenn die Schwester von Simmel eine Frage nicht beantworten kann, da ruft sie vor laufender Kamera ihren Bruder an, wie das damals war, nur er könne das richtig wissen. Und der Hannes, der klärt telefonisch auf. Und jedes Mal ruft sie ihm ein „Servus, Bussi!“ ins Telefon nach. Das hat etwas sehr Merkwürdiges. Da verweigert einer Auskunft, und gibt sie schließlich über Dritte. „Eine Affäre mit Johannes Mario Simmel“ wurde das betitelt – ein selten dämlicher Titel.

Dabei wird in den Gesprächen rasch deutlich, dass Simmel ein schwieriger Mensch ist, dass Auflagenmillionen nicht unbedingt glücklich machen müssen. Der Erfolgsautor, den die Literaturkritik lange nicht ernst nahm, er ist schreibsüchtig, raucht und trinkt zu viel, ist einsam inmitten der Menschen. Ein unbehauster Wanderer. Einer, der ob seiner Verletzlichkeit flüchtet – vor der Welt, hinein ins Schreiben. Am Schluss, als die Autorin auf Reisen im Hotel ist, da klingelt das Telefon. Simmel ist dran und spricht mit der verblüfften Autorin.

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