Medien : Der Festakt geriet zum Politikum

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Bundespräsident Johannes Rau hat den Festakt zum 200-jährigen Bestehen des Verlags M. DuMont Schauberg am Freitag in Köln zu Kritik an Medien und Politik genutzt: „Die Show darf nicht zentral werden. Es darf nicht sein, dass das Bild von der Sache an die Stelle der Sache tritt“, sagte Rau. Das Staatsoberhaupt beklagte die „Ökonomisierung der Medien“ und forderte, „dass die Grenzen von Journalismus und PR nicht zunehmend fließender werden". Zeitungen seien „unersetzlich und unschlagbar im Regionalen und Lokalen, und ich wünsche mir, bei aller Wertschätzung für Fernsehen und Internet, dass das so bleibt".

Das Gegenteil befürchtet Alfred Neven DuMont, Herausgeber des „Kölner Stadt-Anzeigers". „Wir stellen fest, dass Zeitungen um ihren Lebensraum bangen müssen“. Der Alt- Verleger räumte Verluste bei Auflagen und Anzeigengeschäft ein und ritt in ungebrochener Angriffslust eine Attacke auf die Medienpolitik: „Aus ideologischen Gründen“ würde Lokal- und Regionalzeitungen verwehrt, auf anderen Märkten gleichberechtigt aufzutreten. Der Hintergrund: In Nordrhein-Westfalen ist privat finanziertes Ballungsraum- Fernsehen noch untersagt. Neven DuMont bezeichnete das „System der Länderkompetenz“ als überholt und forderte eine bundesweit zentrale Instanz für Medienpolitik. Während Bundeskanzler Gerhard Schröder ausweichend das nationale Kartellrecht verantwortlich machte, stimmte NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement der Kritik Neven DuMonts zu. „Sie müssen deswegen aber nicht grundsätzlich den ganzen Föderalismus in Frage stellen“, mahnte Clement.

Vielleicht hätte der viertgrößte Zeitungsverlag Deutschlands Clement besser nicht eingeladen, denn mehrere Hundert Studierende, die gegen die Einführung von Studiengebühren in NRW protestierten, wussten den Festakt durch anhaltendes Trampeln auf dem Dach der unter die Erde gebauten Philharmonie zu stören.Thomas Gehringer

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