Der Fußball und seine TV-Reporter : Mit Lust parteiisch

Wo Guardiola schon mal „Guardiolo“ heißt oder Alonso „Alanso“ - Fußball-TV-Reporter sind nicht jedermanns Sache. Doch es gibt Alternativen.

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Wem der Fernseh-Kommentar nicht gefällt, der greift bei Live-Spielen auf das Netz-Radio zurück, zum Beispiel bei Spielen von Borussia Dortmund.
Wem der Fernseh-Kommentar nicht gefällt, der greift bei Live-Spielen auf das Netz-Radio zurück, zum Beispiel bei Spielen von...Screenshot: Tsp

Fußball Champions League neulich in Barcelona, am Dienstag das Rückspiel in der Münchner Allianz Arena, vergangene Woche das dramatische Pokal-Halbfinale Bayern gegen Dortmund über 120 Minuten mit Elfmeterschießen - es sind die Wochen der großen Live-Übertragungen entscheidender Spiele im Fernsehen, von der Samstags-„Sportschau“ mit dem spannenden Abstiegskampf ganz zu schweigen. Damit auch die Wochen von Gerd Gottlob, Tom Bartels, Wolff Fuss, Marcel Reif oder Béla Réthy, all der Kommentatoren, die den Millionen Fußball-Fans die Spiele ins Wohnzimmer bringen. Und damit auch wieder genug Grund, sich über schlechten Stil, mangelnde Analyse sowie überflüssige Kommentare und Emphase zu ärgern.

Fußball-Reporter-Bashing ist Folklore geworden unter Fans und Fernseh-Kritikern, ähnlich wie die Behauptung, dieser oder jener Reporter sei doch eindeutig Fan dieser oder jener Mannschaft. Da könne man gar nicht zuhören. Nicht immer ist die Schelte gerecht. Béla Réthy beispielsweise hat seine Sache am Mittwochabend beim Champions-League-Halbfinale ordentlich gemacht. Dabei ist der ZDF-Reporter einer der Anti-Lieblings-Kommentatoren unter den Fußballfans, „Béla Réthy gefällt mir nicht“ mit über 10 500 Followern eine beliebte Seite bei Facebook (Tenor: „Nach den ersten Sätzen von Béla hab ich sofort auf SRF2 umgeschaltet.“).

Da war die Rede vom „Mega-Meister-Bayern“

„Gert Gottlob gefällt mir nicht“ fehlt bei Facebook, obwohl so eine Seite nach dem deutschen Pokal-Halbfinale zuletzt stärker frequentiert werden würde. Die ARD hatte für das Spiel Bayern gegen Dortmund erstaunlicherweise den NDR-Sportchef nach München-Fröttmaning verfrachtet, „das Temperamentsmonster vom Deich“, wie ihn die „tz“ nennt. Bei allem Respekt vor der journalistischen Schwierigkeit, ein Fußballspiel in jeder Minute anschaulich und adäquat am Mikrofon wieder zu geben – man musste kein Dortmund- oder Bayern-Fan sein, um sich von der permanenten Emphase, den Plattitüden und Sprachbildern Gerd Gottlobs genervt zu fühlen. Da war die Rede vom „Mega-Meister-Bayern“, an anderer Stelle erfuhren wir: „Dass Robbery miteinander spielen können, haben wir schon oft gesehen.“ Aha. Guardiola hieß „Guardiolo“ und Alonso „Alanso“. „Sprachfasching“ wurde das dann zurecht auf Twitter genannt.

So etwas kann auch Fernseh-Produzent und Fußball-Fan Friedrich Küppersbusch einen – für ihn als BVB-Fan eigentlich gut verlaufenden – Abend madig machen. „Den ARD-Kommentar fand ich bei späterem Anhören wohltuend, nachdem ich das Live-Spiel bei Sky von Marcel Reif kommentiert hörte. Mitten in der zugegeben kurzen Druckphase des BVB immer noch von einer ,Vorführung der Dortmunder’ zu schwadronieren, ist schon moderativer Selbstmordanschlag, dazu passt es dann auch, zwischendurch dreimal programmankündigend irgend einen überteuerten Boxkampf hochleben zu lassen.“

„Der feuchte Traum des Jahrhunderts.“

Sky war und ist oft der Lieblingssender von Fußballfans, die über Gottlob, Réthy, Steffen Simon oder Tom Bartels die Nase rümpfen, gerade auch wegen Marcel Reif und Wolff-Christoph Fuss, die fürs Pay-TV arbeiten. Die geschätzten Fähigkeiten des ehemaligen Sat1-Mannes Fuss können ein Fußballspiel zu einem Erlebnis machen. Unvergessen Wolff-Fuss-Sätze wie beim Champions-League-Finale 2012, als Mario Gomez einen Ball haushoch übers Tor schoß. Fuss sagte: „Der trifft im Orbit auf den Ball von Sergio Ramos.“ Solch’ Hemmungs- oder Maßlosigkeit geht manchmal aber auch nach hinten los. Fuss nannte das Barcelona-gegen-Bayern-Spiel am Mittwoch „den feuchten Traum aller Fußballfans“. Oder, wie es in der Sky-Sprache heißt: „Der feuchte Traum des Jahrhunderts.“

Geschmackssache? Möglich. Um solchen Ergüssen zu entgehen, machen es viele Fans so wie Friedrich Küppersbusch: Reporter-Ton ausschalten, auch am Samstag beim Bundesligaspiel Dortmund gegen Hertha. „Mein Schwager nutzt den Studioatmo-Kanal bei Sky, ich höre Norbert Dickel vollparteiisch ausrasten im BVB-Netradio zum TV-Bild.“ Oder man sucht im Internet die Seite www.marcel-ist-reif.de. Dort lassen sich Fußballspiele live selbst kommentieren.

„Sportschau“, Samstag, ARD, ab 18 Uhr 30

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