Medien : Der ganz normale Büro-Wahnsinn in zehn neuen Folgen

Thilo Wydra

Er ist mies und fies. Perfide und pervers. Unsympathisch und unkollegial. Stromberg, Ressortleiter Schadensregulierung der Capitol Versicherung. Wie Karnickel hocken die Kollegen im Büro-Stall, nur Bernd Stromberg – alias Comedian Christoph Maria Herbst – hat ein separates Büro, und, ja, der Neue, der Chef. Becker heißt er, ist auch noch jünger als sein Stellvertreter Stromberg, tritt sympathisch-solide auf. Keine guten Ausgangsbedingungen. Jetzt steht der unbeliebte Büro-Hengst Stromberg zwischen den Stühlen, nach oben buckeln, nach unten treten – Radfahrermentalität eben.

„Stromberg“ geht in die zweite Runde, die Staffel bringt zehn brandneue, in Köln von Brainpool produzierte Folgen. Ralf Husmann fungierte als Autor und Produzent, und der Münchner Sender ProSieben ist stolz drauf. Zu Recht, zunächst, denn „Stromberg“ hat mächtig abgesahnt, gute Kritiken en masse, „Comedy vom Feinsten“ hieß es allenthalben, und zu guter Letzt gab es im Juni den Bayerischen Fernsehpreis. „Stromberg“, so scheint es, ist seine Sache, sein Format. Ein Part, in dem Herbst sichtlich aufgeht. Am bösen Biedermann, am banalen Teufel, daran hat er seine Freude.

„Stromberg“ – „der schlimmste Chef aller Zeiten“ – scheint denn auch etwas zu treffen, was jeder irgendwoher kennt: Der ganz normale Bürowahnsinn, Mobbing und Intrigen, Neid und Eifersucht, Klatsch und Tratsch. In freier Sitcom-Manier wird das allwöchentlich in 30 Minuten in Szene gesetzt. Man schaut zu, ist Voyeur und fühlt sich wohlig unwohlig. Hackt der bebärtete Glatzkopf doch einmal mehr auf der etwas rundlicheren Erika rum, heftet just ihr bei der ach so lockeren Warm-Up- Runde den Hitler-Zettel an die Stirn. Sie muss raten, wer sie ist, die andern sitzen drumherum. Und Stromberg freut es diebisch. Dabei ist es die Schadenfreude, die die Komik evoziert, das Lachen über des anderen Unglück. Nur, so ganz zünden will die Situationskomik in der zweiten Staffel nicht, manches Mal sackt der Spannungsbogen ab und die Bauchmuskelschmerzen bleiben einfach aus. Sorry, Stromberg.

„Stromberg“: Pro 7, 22 Uhr 10

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben