Medien : Der goldene Schuss

„Küss mich, Genosse!“: Jürgen Sparwasser kickt Jenny ins Jahr 1974 zurück

Thomas Gehringer

Dass Jürgen Sparwasser über einen strammen Schuss verfügt, weiß spätestens seit dem 22. Juni 1974 ganz Fußball-Deutschland. Damals erzielte der 53-fache Nationalspieler der DDR in Hamburg den 1:0-Siegtreffer gegen die Bundesrepublik und spätere Weltmeister-Elf. In einer kleinen Nebenrolle der Sat-1-Komödie „Küss mich, Genosse!“ bolzt der 58-jährige Sparwasser den Ball an den Kopf der jungen Journalistin Jenny Lütjens (Mira Bartuschek) und schickt sie damit auf eine Zeitreise zurück ins Jahr 1974.

Jenny, die just im Augenblick des legendären Sparwasser-Tores gezeugt worden war, wacht mitten in einem FDJ-Ferienlager auf. Ihr Erscheinen droht jedoch die kurze Romanze ihrer West-Mama, deren Reisegesellschaft eine Buspanne auf der Transitstrecke hat, mit ihrem Ost-Papa zu verhindern. Denn ihr Vater verguckt sich in Jenny selbst. Außerdem wird die Stasi aufmerksam auf die seltsame Besucherin, die von FDJ-Sekretärin Hartung (Anja Kling) und LPG-Chef Bieske (Jörg Schüttauf) für die Nichte Honeckers gehalten wird. Damit sich Jenny nicht selbst aus dem Geschichtsbuch streicht, muss sie während ihrer Zeitreise in die durcheinandergebrachte Vergangenheit eingreifen. Ein deutsch-deutsches Märchen also, versetzt mit 70er-Jahre-Folklore und passendem Soundtrack von Abba bis Puhdys.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten entwickelt der Film von Rodica Döhnert, Michael Illner (Buch) und Franziska Meyer Price (Regie) seinen Charme. Schon komisch anzusehen, wie da eine junge Frau aus dem beginnenden 21. Jahrhundert das absurde DDR-Treiben aufmischt. Mehr beiläufig wird erzählt, wie man es sich bequem gemacht hat im geteilten Deutschland. Auch Jennys hanseatischer Großvater freut sich über den „antifaschistischen Schutzwall“, weil er unliebsame Besucher aus dem Osten fernhalte. An die DDR-Kicker verschwendet er dabei keinen Gedanken – bis das Unwahrscheinliche geschieht und Jürgen Sparwasser trifft. Man hätte vielleicht doch ahnen können, dass die Mauer fällt.

„Küss mich, Genosse!“, Sat 1, 20 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben