Medien : Der Graf und die Fürstin

Der Chefredakteur von „Park Avenue“ ist umstritten

Ulrike Simon

„,Park Avenue’ macht mich neugierig, wenn auch noch nicht glücklich“, sagte Bernd Kundrun, Vorstandschef von Gruner + Jahr, über die Preview-Ausgabe, die im Juni erschienen ist. Den Erfinder, Holger Christmann, behielt man zunächst an Bord, erst kürzlich erfolgte die Trennung. Zum Chefredakteur wurde Alexander Graf von Schönburg gekürt. Auf ihm lag alle Hoffnung. Engagiert wurde er vor allem wegen seiner Prominenz und seiner Kontakte als Bestsellerautor und Bruder von Gloria Fürstin von Thurn und Taxis. Ende Oktober kommt das zweite Heft heraus. Die Titelgeschichte, seit Wochen geplant, polarisiert und war von Anfang an umstritten: Schönburg sollte seine Schwester porträtieren, Innenansichten liefern – sie distanzlos demaskieren. Es war fünf nach zwölf, als Schönburg am Dienstag in der Redaktion gestand, er könne das nicht. Zu spät. Schönburg musste, seine Entourage half mit. Schließlich waren die Fotos von Lord Snowdon da, der Titel fest geplant, Ideen für die Werbung vorbereitet – und jetzt stand die Produktion auf der Kippe. Zeitgleich wurde bekannt, dass Schönburg über die Adels- und Reichen-Community „A smallworld.com“ offen im Netz um Hilfe bei der Themensuche für „Park Avenue“ wirbt und mit Schnupperabos lockt. Schönburg polarisiert. Die Kritik: Er sei unstrukturiert, agiere planlos, könne nicht führen. Andererseits: G + J wollte ihn. Was tun, so kurz vor der ersten richtigen Ausgabe? Hätte man schon längst die Verantwortung in andere Hände geben sollen? Soll man die nächste Ausgabe abwarten? „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Herausgeber Klaus Liedtke. Im Verlag heißt es: „Schönburg bleibt.“ – Noch, heißt es inoffiziell.

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