Medien : Der größte Plattenladen der Welt

Musik aus dem Internet ist oftmals sogar billiger als von der CD. Doch das neue Vertriebssystem hat seine Tücken

Björn Sievers[ddp]

Mit den Musikläden etwa des Computerherstellers Apple, der Provider freenet, tiscali und T-Online sowie der Mobilfunkgesellschaften Vodafone, T-Mobile und O2 oder dem neuen Napster-Abodienst gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die eigene Musiksammlung legal auf digitalem Weg auszubauen. Das geht teilweise bedeutend billiger als im Laden. Zum Beispiel verlangt Apple einheitlich 9,99 Euro für jedes Album. Aktuelle Titel auf CD sind zu diesem Preis kaum zu bekommen.

Die schöne neue Welt birgt aber auch Risiken für den Nutzer. Er ist verantwortlich für die Datensicherung – nicht allein für die gekauften Musikdateien, sondern auch für den meist mitgelieferten Lizenzschlüssel, ohne den aus dem Lieblingssong ein unnützes digitales Knäuel aus Nullen und Einsen wird. Einen Totalausfall der eigenen Festplatte sollte man daher mit regelmäßigen Sicherungskopien und dem Brennen der Musikdateien als Audio-CD abfedern.

Doch Datensicherung allein hilft nicht immer weiter. Das zeigt aktuell der Mobilfunkanbieter O2. Das Münchner Unternehmen war vor knapp zwei Jahren sehr früh ins Musikgeschäft eingestiegen. Während Beobachter Branchenprimus T-Mobile noch belächelten, weil die Telekom-Tochter nur verstümmelte Stücke zum Download auf Handys anbot, hatte der kleinste deutsche Netzbetreiber schnell einen umfassenden Katalog Titel zusammengetragen.

Seinen frühen Musikkunden bot O2 einen tragbaren Musikspieler und das Siemens-Handy SX1 an. Die Dateien ließen sich per Mobilfunk auf das Handy beziehungsweise den Musikspieler laden und dort speichern. Aber eben nur dort. Auch für O2 war diese Situation nicht besonders komfortabel, zumal sich für das inzwischen zwei Jahre alte SX1 kaum noch jemand interessiert haben dürfte. Deshalb hat O2 seinen Musikshop nun neu gestartet. Mit dem SX1 kann man zwar nach wie vor Stücke kaufen, diese jedoch nicht mehr auf das Handy, sondern nur noch aus dem Internet herunterladen. Wer weiter Musik mobil auf sein Telefon laden will, braucht ein neues Gerät. O2 ist sich des Problems bewusst. Die betroffenen Kunden seien angeschrieben worden, sagt ein Unternehmenssprecher.

Selbst wenn es im konkreten Fall O2 vermutlich nur wenige tausend Kunden trifft und so radikale Umstellungen wie bei O2 die Ausnahme sind. Die technische Weiterentwicklung hat in der Vergangenheit in allen Bereichen neue Dateiformate und Kopierschutzsysteme hervorgebracht, und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern (siehe Haupttext).

Musikfans müssen sich daher wohl auch mit der technischen Seite ihrer Leidenschaft beschäftigen. Sonst kann ihnen mit der digitalen Sammlung das passieren, was bereits zu Zeiten analoger Technik passierte: Die alte Schellackplatte lief nach den 60er Jahren auch nicht mehr auf jedem Plattenspieler. Und wem der Plattenspieler heute kaputt geht, der muss schon ein bisschen suchen, um ein neues Gerät zu finden, auf dem er seine Jugendschätze hören kann. Der wesentliche Unterschied zur analogen Zeit ist allerdings die Geschwindigkeit der Entwicklung digitaler Unterhaltungselektronik. Hatte die Nachkriegsgeneration noch fast eine Generation lang mehr oder weniger Systemsicherheit, reichen heute ein paar Jahre, um aus Musikstücken Datenmüll werden zu lassen.

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