Medien : Der große Ranschmeißer

Harald Schmidt liebt Gremlins und liest nie Verträge

Simone Schellhammer

„Ich könnte die Christiansen-Sendung schon deshalb nicht machen, weil ich sonntags Pilcher-Filme in Fernsehen gucken will“, sagte Harald Schmidt gestern auf einer Pressekonferenz in Hamburg, bei der die ARD ihr Unterhaltungsprogramm für 2007 vorstellte. Bisher habe man ihm die Christiansen-Sendung allerdings auch noch nicht angeboten. „Leider. Ich bin etwas enttäuscht, versuche aber, es niemand merken zu lassen. Aber mit ,Psst…’ mache ich jetzt im Grunde ja etwas Ähnliches“, so Schmidt weiter. Ab 20. Februar gibt es bei der ARD zwölf neue Folgen seiner alten Rateshow. In der ersten Sendung wird die einstige Originalbesetzung mit Mareile Millowitsch, Elke Heidenreich, Ingolf Lück und Herbert Feuerstein zu sehen sein. Dann geht es mit wechselnden Besetzungen weiter. Mit dabei unter anderem Charlotte Roche, Jenny Elvers-Elbertshagen und Frank Plasberg, der zumindest auf diese Weise seinen Weg ins Erste Programm finden wird.

Über seine Vertragsgestaltung mit der ARD meinte er: „Bisher hatte ich ja einen Geheimvertrag mit der Degeto, der so geheim war, dass selbst ich ihn nicht kannte. Der wird jetzt direkt an den WDR weitergereicht. Noch ist nicht raus, ob ich zur Politik- oder zur Infoschiene gehören werde.“ Er selbst werde auch nur durch Online-Dienste vom Ergebnis der ARD-Intendantenkonferenz am nächsten Montag erfahren, die über die Vertragsverlängerung für Schmidt abstimmen werde. Auf die Frage, wie er sich gegen die „Gremien voller Gremlins“ wappne, von denen Günther Jauch bei seiner Absage an die ARD gesprochen hatte, sagte Schmidt: „Ich hatte nie Probleme mit Gremien, weil ich mich immer, wenn jemand irgendwie nach Gremiumsmitglied aussah, gnadenlos rangeschmissen habe.“ Was zwischen all dem launigen Geplänkel jedoch bestätigt wurde, sind die 43 Late-Night-Shows bis 2008 und der Plan, dass Harald Schmidt zusammen mit Waldemar Hartmann 2008 von den Olympischen Spielen in Peking berichten wird.

Zuvor hatte die Unterhaltungskoordinatorin der ARD, Verena Kulenkampff, pikiert darauf hingewiesen, dass die Unterhaltunssendungen im Ersten besser seien als ihr Ruf. Außerdem sei der Vorwurf, man mache nichts außer Volksmusik, falsch. Stolz wies sie auf den Ausbau von Wissensformaten wie „Frag doch mal die Maus“ oder „Die große Show der Naturwunder“ hin. Letztere hatte im Oktober die „Saure Gurke“ der Medienfrauen von ARD, ZDF und ORF erhalten, weil hier die Wunder der Natur allzu oft an nackten Frauenkörpern erklärt werden. In diesem Jahr gibt es weitere Ausgaben davon. Einen anderen Giftpfeil schoss Kulenkampff auf das ZDF ab, das nun donnerstags die Wissensformate entdeckt habe. Geplant ist eine Wissensshow mit Johannes B. Kerner. Der bekam noch von Reinhold Beckmann einen mit: zwischen ihm und Kerner gebe es endgültig keine Konkurrenz mehr, da der ZDF-Moderator „kaum noch journalistische Gespräche“, sondern Verbraucher- und Kochsendungen mache.

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