Medien : Der Herr der Fliegen

Thomas Gehringer

Wolfgang Rademann springt von seinem Stuhl auf: "Jetzt bin ick dran." Die Dame vom ZDF, die mit freundlichen Worten die Pressekonferenz eröffnen will, kommt leider nicht weit. Der Erfolgsproduzent benötigt, sagen wir, zehn Sekunden, um die beliebtesten Klischees ausnahmslos zu bestätigen: Rademann ist hektisch, kann nicht still sitzen und hat nie Zeit. Dass der 66-Jährige einst Reporter eines Berliner Boulevardblatts war, kann man sich lebhaft vorstellen.

"Die Geschichte hat mich gejuckt", sagt er denn auch über die Idee zum Fernsehfilm "1000 Meilen für die Liebe" (ZDF, 4. und 5. November, 20 Uhr 15 Uhr): Vor Jahren erfuhr Rademann von einer bayrischen Tourismusfirma, die ihre Gäste mit einem Bus, einer Art rollenden Hotel, durch die Gegend karrt. "Die geilste Nummer überhaupt", findet er. Rademann muss es wissen: Kein anderer Produzent hat das deutsche Fernsehen mit so vielen Urlaubsgeschichten und so vielen Postkarten-Ansichten aus aller Welt versorgt wie der Berliner Vielflieger. Natürlich vor allem für das ZDF-"Traumschiff".

Australien sei im deutschen Fernsehen "noch nicht abgenutzt", hat Rademann erkannt, also erlebt nun in dem ZDF-Zweiteiler eine bunt gemischte Reisegruppe eine abenteuerliche Bustour vom tropischen Darwin, durch Outback und Wüste bis zur Westküste. Natürlich sind die Touristen mit allerlei Schicksalen schwer beladen und schon bald in zarte Bande verwickelt: Da sind die schmerzgeplagte Krankenschwester und der spröde Germanistik-Professor, die pfiffige Studentin und der Computer-Experte, der allerdings an der Seite seiner coolen Frau und Chefin die Flitterwochen feiert, oder die beiden übernervösen Eigenbrötler, die unentwegt geheimnisvolle Andeutungen raunen. Es ist halt eine pralle Geschichte aus dem Rademannschen TV-Kosmos: vor Klischees und schlichten Dialogen strotzend, aber mit garantiertem Happy End.

Selbst Gaby Dohm darf fern des Schwarzwalds wieder die Krankenschwester spielen. Gut sechs Millionen Mark hat der Spaß "down under" gekostet. "Das Geld ist einem nur so durch die Finger gerutscht", klagt Rademann. Hinzu kam "die größte Fliegenplage, die es je gab". Da die Moskitonetze jedoch vor der Kamera schlecht vor den Gesichtern bleiben konnten, wurden die lästigen Tiere in manchen Szenen zu ungewollten Nebendarstellern.

Das gesamte Filmteam war drei Monate lang ständig unterwegs, an sechs Tagen in der Woche wurde gedreht. "Wie Big Brother on the road", stöhnt Schauspielerin Sophie Schütt. Weitere Darsteller sind Daniel Morgenroth, Jörg Schüttauf, Johanna Klante, Saskia Valencia, Ulrich Pleitgen, Fabian Busch und Brigitte Karner.

0 Kommentare

Neuester Kommentar