Der Kabarettist und n-tv : Serdar Somuncu: "Im Moment sind wir etwas konsterniert"

Kurzfristige Absetzung von "So! Muncu!" bei n-tv: Serdar Somuncu zeigt sich enttäuscht und sagt, wie es in der Sendung zum Thema Fake News wirklich war.

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Der Kabarettist und Satiriker Serdar Somuncu.
Der Kabarettist und Satiriker Serdar Somuncu.Foto: obs


Nachgang im Fall „So! Muncu!“: Einen Tag, nachdem n-tv entschieden hatte, die bereits produzierte Ausgabe der Talkshow von Serdar Somuncu kurzfristig aus dem Programm zu nehmen, überlegt sich der Kabarettist, ob es überhaupt Sinne mache, weiter mit dem Nachrichtensender zusammen zu arbeiten, beziehungsweise, ob n-tv überhaupt den Qualitätsansprüchen von Somuncu genüge.

n-tv hatte am Mittwoch erklärt, dass die abgesetzte Sendung auch zum gezielten Umgang mit Desinformationen, sprich Fake News, nicht den Qualitätsansprüchen des Senders genügt habe. „Ich kenne die Qualitätsansprüche von n-tv ehrlich gesagt nicht“, sagt dazu Somuncu dem Branchendiernst DWDL.de. Er wisse auch nicht, ob sie sich auf das Ausstrahlen von Dokumentationen oder den Wetterbericht beziehen.

„Ich weiß nur, dass wir, wenn wir bei n-tv waren, immer das getan haben, was wir für richtig hielten – übrigens auch stets mit Unterstützung des Senders. Von Anfang an war klar, dass wir eine Satiresendung machen, die anecken und ungemütlich sein soll. Wir wollen mit sehr außergewöhnlichen Gäste-Konstellationen einen neuen Weg bestreiten, was im Fernsehen leider viel zu selten der Fall ist.“ So etwas erfordere Mut und Risikobereitschaft. Diese Risikobereitschaft habe n-tv lange genug gehabt.

„Es gab in dieser Zeit genügend Gelegenheiten, sich über die Qualitätsstandards Gedanken zu machen und diese an uns zu vermitteln.“ Dass das nun so abrupt und rigoros kam, habe Somunco enttäuscht und traurig gemacht, weil Produzent Friedrich Küppersbusch und er die Sendung sehr gerne gemacht haben. „Und wir würden sie auch gerne weitermachen. Im Moment sind wir allerdings etwas konsterniert. Jetzt müssen wir uns überlegen, ob n-tv unseren Qualitätsansprüchen entspricht.“

Ob n-tv überhaupt weiter machen will, ist noch offen. Letzter Stand der Dinge, am Donnerstag wie auch schon am Mittwoch: Derzeit werden Gespräche mit dem Produzenten bezüglich der Zukunft der Sendung geführt. Hier sei noch keine Entscheidung gefallen, heißt es bei n-tv.

Was passierte wirklich in der Sendung?

Somuncu klärte im DWDL-Interview auch darüber auf, worum es in der am Montag aufgezeichneten Sendung mit dem Thema "Alternativlos schmutzig – wie extrem wird der Wahlkampf" überhaupt ging.

Als Gäste waren Wolfgang Kubicki von der FDP, Wigald Boning – Comedian und auch FDP-Mitglied – und die Schauspielerin und Moderatorin Annabell Mandeng eingeladen. Es gab drei Themenkomplexe zur Wahl und Donald Trump, abschließend sollte an einem Fallbeispiel demonstriert werden, wie Fake News funktionieren.

"Ohne unsere Gäste zuvor zu informieren, wurde die Sendung unterbrochen und ein Original-Korrespondent von n-tv stand plötzlich vor der Kulisse des Weißen Hauses, um die Breaking News zu verkünden, dass das Weiße Haus beschlossen habe, den Bau der Mauer zwischen den USA und Mexiko an das deutsche Unternehmen Hochtief zu vergeben. Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung wussten wir nicht, dass unsere Satire von der Realität eingeholt werden wird, denn tatsächlich kam einen halben Tag später die Nachricht über den Ticker, dass sich Hochtief um den Auftrag bewerben wird. Darüber haben wir uns selber erschrocken und natürlich auch gefreut, schließlich waren wir mit unserer Sendung voll drauf. Es kann ja nicht wahr sein, dass wir eine Fake News erfinden, die am nächsten Tag wahr wird."

"Wir waren uns natürlich bewusst, uns in einem sehr heiklen Umfeld zu bewegen, wenn wir bei einem Nachrichtensender mit Original-Label eine Nachricht faken. Deshalb haben wir direkt in der Sendung gesagt: Hahaha – das war ja Spaß, woraufhin derselbe Sprecher im selben Duktus eine komplett andere Nachricht verkündete, nämlich dass Trump jetzt beschlossen habe, die USA aus allen NATO-Einsätzen zurückzuziehen. Daraufhin haben wir unter großem Gelächter des Publikums gesagt, dass auch das Fake sei und nun eine Meldung kommt, die erst recht Fake sei. Es folgte also ein drittes Mal dieser Sprecher, der jetzt erklärte, dass Trump allen Muslimen in den USA für einen Monat den Strom abschalten will, weil sie Entbehrungen gewöhnt seien und das Geld in Terror-Abwehr gesteckt werden soll. Riesen-Applaus im Publikum, Mega-Brüller – aber da war sofort klar, dass das nicht ernst gemeint war."

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