Medien : Der Kampf um Berlin

RBB-Film zu Rechtsextremismus in der Hauptstadt

Frank Jansen

Schon die ersten Bilder sind dramatisch. Eine lange Kolonne Polizeitransporter ist aufgefahren, in einer Kneipe treffen die Beamten, darunter ein vermummtes Spezialeinsatzkommando, auf eine Horde Neonazis. Der von ihnen meistgehasste Polizeiführer Berlins, Michael Knape, sagt in die Kamera: „Es ist heute wieder ein Volltreffer.“ Das sieht so aus, als wolle der RBB-Film mit einem gruseligen Spektakel die Zuschauer schocken. Doch was der Sender in der Reportage „Kampf um die Straße, Kampf um die Köpfe“ zeigt, ist Berliner Realität. Der Film von Jo Goll und Norbert Siegmund macht deutlich, welches Ausmaß die Umtriebe der rechten Szene erreicht haben. Und mit wie viel Mühe Polizei und Zivilgesellschaft versuchen, die Gefahr einzudämmen.

Da treten NPD-Funktionäre im biederen Anzug auf, selbst der einstige Kroatien-Söldner Eckart Bräuniger kommt daher wie ein Versicherungsvertreter. Gezeigt werden allerdings auch Bürgerschreckfiguren, darunter der ehemalige Sänger der Berliner Band „Landser“, Michael Regener, inzwischen Mitglied der NPD. Der Neonazi mit Pferdeschwanz und schwarzer Sonnenbrille wurde im Dezember 2003 vom Kammergericht zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die Richter bezeichneten „Landser“ als kriminelle Vereinigung, dessen Rädelsführer Regener gewesen sei. In dem Film ist auch zu sehen, wie der maskierte Regener bei dem vermutlich einzigen Konzert von „Landser“ ein Hetzlied über „Kanacken und Parasiten“ grölt. Die eindringlichsten Bilder sind indes die Aufnahmen aus Treptow-Köpenick, wo sich die Konfrontation zwischen Rechtsextremisten und Zivilgesellschaft zuspitzt.

In dem Bezirk steht nicht nur die NPD-Bundeszentrale, in Treptow-Köpenick agitiert auch die Neonazi-Kameradschaft „Berliner Alternative Südost“, angeführt von dem ehemaligen NPD-Mann René Bethage. Der gibt sich friedlich, doch was einer seiner Anhänger angerichtet hat, wird in dem Film auch gezeigt. Ein vietnamesischer Imbissbetreiber erlitt schwere Kopfverletzungen, als der Neonazi mit einer Keule zuschlug. Um den Asiaten kümmert sich Helga Seyb vom Verein „ReachOut“, der Opfer rechter Gewalt betreut. Seyb tritt in dem Film als eine von vielen zivilgesellschaftlichen Akteuren auf. Das Spektrum reicht bis zum Bezirksbürgermeister, der sich auch den Rechtsextremisten entgegenstellt.

Zum Beispiel bei einem Aufmarsch von 200 Neonazis im Dezember 2004. Diese Bilder machen Mut. Die Rechtsextremisten müssen an unzähligen Transparenten von Nazi-Gegnern vorbeilaufen, braune Parolen gehen im Lärm von Trillerpfeifen unter. Es ist dem RBB gelungen, die rechte Gefahr in Berlin realistisch zu dokumentieren – so wie die Mühen und Chancen der Gegenwehr.

„Kampf um die Straße, Kampf um die Köpfe“, Mittwoch, RBB, 21 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar