Medien : Der Kanzler und die Bombe

Das Erste versucht erfolglos, Licht ins „Attentat auf Adenauer“ zu bringen

Peter Siebenmorgen

Sehr viele Geheimnisse aus der Regierungszeit von Konrad Adenauer gibt es nicht mehr zu enthüllen; die Haupt- und Staatsaktionen sind längst und ausführlich beschrieben. Doch über einigen durchaus interessanten Randepisoden liegt immer noch der Schatten des Ungewissen. Beispielsweise über einem misslungenen Attentat auf den westdeutschen Gründungskanzler im Frühjahr 1952. Damals sollte eine Briefbombe, adressiert an Adenauer, in München zur Post gehen. Doch jenen zwei Buben, die von einem Unbekannten auf der Straße gebeten wurden, das Päckchen aufzugeben, und die dafür einen reichlichen Botenlohn in Höhe von drei D-Mark erhielten, war die Sache unheimlich. So ging die tödliche Sendung nicht auf den Postweg, sondern in einen Luftschutzbunker, wo ein Sprengstoffexperte sich der Sache annahm – und dabei ums Leben kam.

Die beiden Münchner Knaben wurden später von Konrad Adenauer im Palais Schaumburg empfangen und erhielten aus der Hand des Kanzlers jeweils eine goldene Uhr als Dank. Wer aber hinter dem Attentat steckte, von welchen Motiven es geleitetet war, blieb auch für die kriminalpolizeilichen Ermittlungen weithin im Dunkeln. Zwar tauchte bald ein Bekennerschreiben auf, das auf eine radikale, terroristische zionistische Vereinigung als Tatverantwortliche schließen ließ. Und auch die spärlichen Indizien und wenigen knappen Zeugenaussagen stützten diesen Verdacht. Doch die Täter konnten am Ende nicht zweifelsfrei ermittelt werden.

Wer nun hofft, der Film „Attentat auf Adenauer“, basierend auf einem Buch von Henning Sietz, würde letzte Gewissheit bringen, kommt nicht auf seine Kosten. Was Matthias Unterburg, der Filmautor, mit Hilfe des Historikers Sietz dokumentarisch zusammenstellt, ist das gesammelte Aktenwissen zu dieser Causa. Allein das ist schon verdienstvoll, weil die zeitgenössische Öffentlichkeit über die denkbaren Hintergründe der Tat wenig erfuhr und auch die Großbiografen sich für diesen Vorfall kaum interessierten. Ob sich der Stoff letztlich für einen Dokumentarfilm eignet, daran sind allerdings doch erhebliche Zweifel erlaubt: Authentisches Filmmaterial zur Sache selbst ist kaum vorhanden, die nachgespielten Szenen wirken eher unbeholfen. Zeitzeugen erster Hand sind gleichfalls Mangelware – ein seinerzeit ermittelnder Polizist und ein Münchner Polizeireporter müssen die Hauptlast tragen, was unwesentlich beweiskräftiger ist als das Zeugnis des Neffen eines mutmaßlichen Tatbeteiligten.

Wo echte Spannung sich in Filmen nicht einstellen will, greifen die Autoren gern zur musikalischen Dauerberieselung. Das nervt ungemein, ganz abgesehen davon, dass das Motiv von Bachs Goldberg-Variationen zur Untermalung historischer Szenen aus jüdischen Ghettos denkbar idiotisch ist. Darüber vermag auch Otto Sander nicht hinwegzutrösten, der als Erzähler dieses Films immerhin routiniert agiert.

„Attentat auf Adenauer“: ARD, 23 Uhr 45

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