Medien : Der Karrierist

Rätsel Speer – das Porträt des NS-Rüstungsministers macht den Auftakt der ZDF-Reihe „Hitlers Manager“

Thomas Gehringer

Wer war Albert Speer? Als einzigem aus dem engeren Führungskreis der Nationalsozialisten ist dem Architekten und Rüstungsminister eine Karriere nach Hitler gelungen. Die Frage reicht also weit in die bundesrepublikanische Geschichte hinein, in die Speer aus dem Gefängnis 1966 entlassen wurde und in der er zum respektierten Ex-Nazi wurde. Speer bekannte sich zur Mitverantwortung, aber nicht zu persönlicher Schuld – das war eine Formel, mit der die Nachkriegsdeutschen gut leben konnten. Auch in Bernd Eichingers Kinofilm „Der Untergang“ wird Albert Speer (Heino Ferch) vor allem als eigenständiger, aber loyaler Freund gezeigt, der sich Hitlers Befehl verweigert, den Alliierten ein zerstörtes Deutschland zu überlassen. Das besonders enge Verhältnis zwischen Hitler und Speer wird nur angedeutet, seine Verstrickung in die Verbrechen ist kein Thema.

Das soll sich im Fernsehen vor dem 60. Jahrestag von Kriegsende und Befreiung ändern. Ausführlich wird sich Heinrich Breloer in einem dreiteiligen ARD-Dokudrama mit dem Phänomen Speer beschäftigen. Zuvor eröffnen jedoch die ZDF-Autoren Jörg Müllner und Anja Greulich mit einem 45-minütigen Speer-Porträt die fünfteilige Reihe „Hitlers Manager“. In den weiteren Folgen geht es um Raketenbauer Wernher von Braun, General Alfred Jodl und die Industriellen Ferdinand Porsche sowie Gustav und Alfried Krupp. Sicher erfährt das Publikum zum Auftakt weit mehr als im „Untergang“ über den Karrieristen Speer, über seine größenwahnsinnigen Pläne für eine Hauptstadt „Germania“, über die Intrigen innerhalb der NS-Machtelite und auch über seine persönliche Schuld für den Einsatz von sieben Millionen Zwangsarbeitern.

Zugleich krankt dieser Beitrag an den Mängeln der Konfektionsware aus der Mainzer Redaktion Zeitgeschichte, auch wenn hier Guido Knopps Stellvertreter Stefan Brauburger die Leitung hatte. Zeitzeugen kommen zu kurz, während sich ein Bildteppich aus Originalaufnahmen und nachgestellten Szenen ausbreitet. Die Nachkriegs-Biografie Speers bleibt fast völlig außen vor. So wird man auf Breloers „Speer und Er“ warten müssen, wo sich übrigens im Gegensatz zum ZDF auch die Kinder Albert Speers zu Wort melden.

„Hitlers Manager“, Folge 1, ZDF, um 20 Uhr 15

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