Medien : Der kleine Unterschied

Reinhard Siemes

VORSICHT! WERBUNG

Immer wenn ich den Bienen-Spot von Mazda im TV sehe, bekomme ich eine Schwellung an der Hypophyse: Autos fahren durch ein Gelände, das sie normalerweise nie zu sehen bekommen. Und ein Damen-Chor singt dazu „Summsummsumm“. Am Schluss setzt ein Kind ein piepsiges Doppelsumm drauf. Und alles ist gut.

80 Prozent aller Auto-Spots, die in Deutschland laufen, finden in kargen Landschaften oder auf Modderwegen statt. Bisweilen schrecken auch wildgewordene Gefährte italienische Kleinststädte auf. Doch es geht auch anders.

Gut in Erinnerung ist der Film für die Klimalage des VW Golf: Vier nicht mehr ganz knackige Typen (bewusst keine Californian Dream Boys) schwitzen sich in einer Sauna die Backen ab. Dann rennen sie unbekleidet zu einem Golf und springen rein, um die herrliche Kühle zu genießen. Fast noch origineller ist der Vater & Sohn-Spot für den VW-Polo: Sohn hat sich den neuen Polo geleistet und der Vater macht dem Junior nun allerlei fadenscheinige Komplimente. Der versteht den Alten, gibt ihm den Schlüssel: „Aber fahr bitte vorsichtig und sei pünktlich wieder zurück!“ Inzwischen hat DDB Berlin, die Polo- Agentur, noch eins drauf gelegt: Eine Dampfwalze macht alles platt, was ihr vor die Rolle kommt. Das nimmt ein Polo-Fahrer zum Anlass, sich quer vor das Monster zu stellen. Die Walze hält auch inne. Aber der Text sagt wahrheitsgemäß: „Er kann viel. Aber nicht alles.“

Darum die Frage: Wieso sind solche Geschichten nicht für Wagen der Mittelklasse möglich? Die haben eigene Werbeauftritte viel nötiger als der flinke Zwerg aus Wolfsburg. Schließlich sind sie kaum noch zu unterscheiden: Hecklastige Rundform, querstehende Augen und fast identische Ausstattung. Auch preislich tun sie sich wenig, von den Koreanern einmal abgesehen.

Tatsächlich ist es ganz einfach, für diese Gefährte originäre Filmchen zu drehen. Die zuständigen Werber müssen lediglich ihre schön designten Büros verlassen und zu den Autofahrern auf Parkplätzen, in Staus oder an Tankstellen gehen. Ob Opel, BMW, Mercedes, Italiener oder Franzose: Jeder Autofahrer hat zu seinem Vehikel eigene Bilder, manchmal sogar eine ganze Philosophie entwickelt. Die findet aber nicht im Gelände statt. Sondern um die Ecke. Oder im Stau.

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