"Der Knastarzt" : Doktorspiele

RTL sucht mit der neuen Serie die Verbindung von Arztdrama und Gefängnisserie. Was am Anfang nicht funktioniert, entwickelt sich zu sehenswertem Fernsehen.

Dabei wollte Doktor Tobias Falk doch nur helfen. Um den Schmerz einer befreundeten Krebspatientin zu lindern, verabreicht
der junge Mediziner ihr einen tödlichen Medikamentencocktail. Auf seiner Geburtstagsparty wird er deshalb verhaftet. Weil die Dame ihn -
sehr zum Missfallen der Angehörigen - überraschend zum Alleinerben bestimmt hat, wird der Sterbehelfer sogar wegen Mordes verurteilt:
Zehn Jahre Haft. Immerhin kann er im Gefängnis weiter heilen. Am Donnerstag um 21 Uhr 15 läuft die sechsteilige Serie an, direkt nach dem explosionslastigen Einsatz der Autobahnpolizisten von „Cobra 11“.

Mit „Der Knastarzt“ will RTL die Brücke zwischen Arztdrama und Gefängnisserie schlagen. Die Kreuzung der zwei
altbewährten Formate präsentiert der Kölner Privatsender als Novum. „Ich hab so einen Twist noch nicht gesehen“, sagt der Serienproduzent und neue RTL-Fiction-Chef Philipp Steffens. Da hat er Recht, aber vielleicht anders als gemeint. Nimmt man die ersten Folgen zur Grundlage, dann ist der Twist mehr ein Twitter, der nicht weiß, welches Geschlecht er denn nun präferieren soll. Mal kommt das Arztdrama zu kurz, mal gerät die Gefängnisserie in akute Soap-Gefahr. Und Figuren wie der Schließer Bernd Hollerbach (Michael Starkl) stellen sich anfangs unter Stereotypen-Verdacht. Aber "Der Knastarzt" fängt sich, je länger die Serie dauert.

Die medizinischen Fälle
sollen der rote Faden sein, das Gefängnisleben die Hauptbühne. „Das ist eine spannende Welt, in die nicht jeder reinkommt“, meint
Fiction-Chef Steffens. „Draußen ist alles grau, im Knast ist alles schwarz und weiß, gut und böse.“ RTL hat bereits Erfahrung mit Gefängnis-Geschichten.
Im Gegensatz zur ehemals quotenstarken Seifenoper „Hinter Gittern - Der Frauenknast“ steht diesmal nicht eine ganze Reihe von Frauen,
sondern nur eine Hauptfigur im Mittelpunkt: Tobias Falk, den Bernhard Piesk spielt.

Gefängnisdirektorin Katja Herwald (Clelia Sarto) bietet dem studierten Sträfling an, tagsüber mit Schwester Anke (Laura Osswald) die
Krankenstation zu übernehmen. Dort behandelt er Schwerverbrecher statt Privatpatienten. Nach der Sprechstunde muss er wieder in seine
Zelle. Neben den üblichen Wehwehchen wird der Mediziner deshalb mit Drogengeschäften, Bandenrivalität und Schließer-Schikanen
konfrontiert.

Drei Monate drehte der Sender vor allem in der verlassenen Justizvollzugsanstalt „Ulmer Höh“ in Düsseldorf. „Da hat man in jeder Ritze
noch so viel Energie von der Knastzeit gespürt“, erzählt Hauptdarsteller Piesk. Selbst Ex-Gefangene hätten der Serie bereits Authentizität
bestätigt. Der Schauspieler in der DDR-Serie „Weissensee“ ist froh, nicht das Schicksal seiner Figur Falk zu teilen. „In Freiheit zu leben, ist
eines der wichtigsten Dinge für mich.“ Auch Michael Starkl („Der letzte Bulle“), Götz Argus („Die Sturmflut“) und Aleksandar Jovanovic
(RBB-„Tatort“-Fall „Alles hat seinen Preis“) spielen hinter Gittern mit. Regie führten Andreas Menck und Sascha Thiel. Laut Piesk sind die
Bücher für die zweite „Knastarzt“-Staffel bereits geschrieben. Nico Pointner/Joachim Huber

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